„Nun aber mal Butter bei die Fische“, möchte man Miloš Karadaglić nach seinem zweiten, gerade veröffentlichten Rezital zurufen. Denn nach zwei Alben, auf denen er uns mit zahllosen Gitarren-Piècen sein melancholisch schlagendes Herz ausgeschüttet hat, würde man nun gerne mal erfahren, wie er sich gedanklich auf der Langstrecke so schlägt. Bei Bach, Britten, Henze und gerne auch bei Paganini. Dass er dafür zumindest das Rüstzeug mitbringt, steht außer Frage. Immerhin finden sich wie auf seinem Debüt-Album „Mediterráneo“ von 2011 nun auch auf „Latino“ so manche Stücke, die nach makellos flinken Fingern verlangen. Dazu gehört eine dieser mit Gemeinheiten gespickten Etüden des Brasilianers Heitor Villa-Lobos genauso wie ein Stück des paraguayischen Komponisten Barrios Mangoré, das ein wahres Tremolo-Feuerwerk bietet.
Natürlich sind die übrigen Stückchen, mit denen der aus Montenegro stammende Karadaglić jetzt Latein- und Südamerika bereist hat, nicht weniger anspruchsvoll, zumal man selbst bei den scheinbar unverwüstlichen Piazzolla-Hits „Libertango“ und „Oblivion“ genau das rechte Maß finden muss, um sie bloß nicht zur marmeladesken Klangklebemasse einzudicken. Trotz des reichlich überflüssigen Orchestersäuselns, das glücklicherweise bei den insgesamt 16 Miniaturen nur drei Mal zum Einsatz kommt, zeigt Karadaglić auch hier, dass er das ideale Gespür für den Folklore-Verismo auf „Latino“ besitzt. Auf Dauer jedoch ist dieses Programm mit seinen ständigen Stimmungswechseln zwischen Weh und Ach, zwischen Nostalgie und Elegischem ein wenig eintönig. Glücklicherweise lassen sich solche geografisch angelegten Themenpakete nicht unendlich schnüren.

Reinhard Lemelle, 28.07.2012



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