Responsive image

When Lights Are Low

Pure Desmond

Minor Music/In-Akustik 042801141
(36 Min., 8/2010)


Wer war Paul Desmond? Der Komponist von „Take Five“, das zu den Hits seines damaligen Bandleaders Dave Brubeck wurde. Aber was blieb von dem Altsaxofonisten außerhalb dessen Quartettes? An Jim Halls „Concierto“ wirkte er mit, mit dem Baritonsaxofonisten Gerry Mulligan spielte er Co-Produktionen ein und dann noch ein bisschen was unter eigenem Namen – aber eben keine Hits mehr. Diesem Mann widmet der Altsaxofonist Lorenz Hargassner ein Album, auf dem er den Ton des Geehrten geschickt imitiert. Weiche, fließende Linien, ein sanftes Vibrato, funkelnde Obertöne: Fast könnte man meinen, Desmond sei wieder auferstanden. Der Schlagzeuger Sebastian Deufel, der Bassist Christian Flohr und vor allem der Gitarrist Johann Weiß unterlegen die coole Combo-Klangfarbe der Bands aus den 1950er und frühen 1960ern – mit wenigen Ausnahmen. So kommt der Ellington-Klassiker „Caravan“ funkier daher, als dies Desmond selbst gespielt hätte, und in Weiß‘ Eigenkomposition „Dynamic Double“ ersetzen sie das Raunen der Becken durch härtere, an die Ambiente- und Drum’n’Bass-Begegnungen des heutigen Lounge-Jazz angelehnte Rhythmen. Doch das passt: Desmond, ein stiller (und erfolgloser) Verehrer der Schauspielerin Audrey Hepburn, schrieb vor allem Songs, die man Dank Hollywood mit Cocktails und Pool-Parties assoziiert. Noch vor fünfzehn Jahren eiferten junge Saxofonisten fast ausschließlich Charlie Parker, John Coltrane und Michael Brecker hinterher. Glücklicherweise ist das Spektrum nun breiter. Dass Hargassner sich allerdings bei der Spielzeit von nur 36 Minuten an dem Fassungsvermögen einer Langspielplatte orientierte, ist das einzig weniger Erfreuliche an diesem bezaubernden Retro-Album.

Werner Stiefele, 03.03.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top