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Sturm und Drang

Nils Wogram, Nostalgia

Nwog Records/harmonia mundi NWOG 003
(66 Min., 12/2010)

Ach, wenn doch alle Nostalgiker das Bekenntnis zur Vergangenheit mit so viel Nähe zur Gegenwart verbinden würden wie das Trio „Nostalgia“ um den Posaunisten Nils Wogram! Dann gäbe es keine Kluft zwischen Tradition und Neuem, zwischen Soul Jazz und Nu Jazz, zwischen funky Grooves, swingendem Jazz und den Abkömmlingen von Techno und House. Wogram, einer der europäischen Top-Posaunisten, lässt sein Instrument in Erinnerung an Juan Tizol und die Ellington-Posaunisten schnurren, growlen und brummen, und wenig später bläst er so klare Töne, wie dies der Traditionslinie von Frank Rosolino entspricht. Weit gespannte Melodien entspringen seinem Instrument; mal schmachten sie verträumt, mal grummeln sie selbstvergessen oder aber sie blühen strahlend auf, und zwischendurch greift er auch zur Melodika. Stets lässt Wogram den Atem spüren, der diese Klänge hervorbringt – ein wunderbarer Kontrast zu den Hammondsounds, die Florian Ross als flächige oder als agile Gegenpole aufbaut. Dejan Terzic mengt nervöse, pulsierende Rhythmen ins Geschehen: So modernisiert man den Souljazz der 1950er in die Gegenwart und ist alles andere als nostalgisch. Das tickert und tackert und groovt und ist – man glaubt es im Digitalzeitalter kaum – alles handmade und Laptopfrei. Toll.

Werner Stiefele, 24.09.2011



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