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Antoine Forqueray, Jean Baptiste Forqueray

Pièces de viole mises en pièces de clavecin

Ketil Haugsand

Simax Classics, PSC 1317
(129 Min., 3/2010) 2 CDs

Über dreißig Jahre hat es gedauert, bis der norwegische Cembalist Ketil Haugsand seinen Traum wahrmachen konnte: eine CD mit der Gesamteinspielung jener Cembalobearbeitungen zu veröffentlichen, die Jean Baptiste Forqueray (1699-1782) unter dem Namen seines Vaters Antoine Forqueray (1671-1745) von fünf großen Gambensuiten anfertigte. Nun sind die gleichen Suiten zwar vor Kurzem auch von Blandine Rannou (zig zag) und Michael Borgstede (Brilliant) eingespielt worden; dennoch lohnt Haugsands Hartnäckigkeit durchaus: Die attraktiven Bearbeitungen, bei der wohl auch Forquerays Frau, die Cembalistin Marie-Rose Dubois, ihre Hand im Spiel hatte, sind nämlich vielschichtig genug, um mehrere Interpretationen zu verdienen. Haugsands Lesart zeichnet sich dabei durch seine überlegen genaue und differenzierte Artikulation aus: Dank ihr erhalten die in den einzelnen Stücken portraitierten Zeitgenossen bei aller Konvention der Form tatsächlich individuelles Leben. Deutlicher als seine zum brillanteren neigenden Kollegen lässt Haugsand den Klang der Gambe noch in der Bearbeitung durchschimmern. Doch das von Haugsand für die Aufnahme gewählte Cembalo – ein von ihm selbst nach flämischem Vorbild gebautes Instrument – kommt seinen Intentionen dabei nur teilweise entgegen: Während die silbrige und volle Mittellage dem singenden Gambenton sehr gut entspricht, hätte man sich für die rauschenden Akkordbrechungen in der Tiefe ein wesentlich klangvolleres Instrument gewünscht. Auch entgeht Haugsand bei seinen eigentlich zu Recht moderat gewählten Tempi nicht immer der Gefahr der Schwerfälligkeit. Dennoch gibt es für seine Einspielung, weil die dem Geist und Text des Originals am Nächsten stehende, eine klare Empfehlung.

Carsten Niemann, 20.08.2011



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