Im Vergleich zu Zelenka ist vieles Schall und Rauch. Ich persönlich halte im Vergleich mit Zelenkas Messen sogar das meiste von dem, was Mozart nur etwa dreißig Jahre später an Sakralmusik für seinen Salzburger Fürsterzbischof verfasste, für einen bloß blassen Abklatsch dessen, was Zelenka zum Ordinarium missae musikalisch gesagt hat.
Dabei bedarf es eigentlich keiner Argumente, um diese Behauptung zu untermauern. Wer diese Einspielung der Ende 1740 vollendeten Missa Dei Patris hört (die anderen beiden späten Messen Zelenkas haben Frieder Bernius und der Kammerchor Stuttgart bereits eingespielt), der dürfte sich begeistern und wird wohl kaum umhinkönnen, dem chromatischen Sog etwa des "Crucifixus" zu verfallen und staunend zu bewundern, mit welchem motivischen Beziehungsreichtum und welch finten- und trugschlussreicher harmonischer Finesse der böhmische Komponist die Konventionen der Messvertonung bereichert und teilweise auch auf kreative Weise unterminiert hat. Dabei ist Zelenkas Deutung von tiefer Religiosität geprägt.
Bernius' Ensembles gestalten mit Präzision und Dezenz den kompositorischen und geistig-geistlichen Kosmos der Partitur. Die CD hätte es verdient, in jeder Sammlung ganz weit vorne zu stehen.

Susanne Benda, 01.02.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Abschiedsblicke: Der Umzug in das Landhaus Brinkwells fällt für den britischen Komponisten Edward Elgar mit einem ziemlich ungewöhnlichen Schaffensausbruch zusammen. Und das in zweierlei Hinsicht, denn Elgar beteiligt sich mit gleich drei Werken in der bis dahin verschmähten Kammermusik. Und vollendet mit dem Cellokonzert e-Moll anschließend seine letzte Komposition. Es sind Werke des Rückblicks: herb, von schmerzlichem Ernst und einer untrennbar damit verbundenen – und gerade deshalb […] mehr »


Top