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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Brad Mehldau, Joni Mitchell, Jacques Brel u.a.

Love Songs

Anne Sofie von Otter, Brad Mehldau

naive/Indigo V 5241
(99 Min., 6/2010) 2 CDs

Kein Zweifel, sie liebt das Randständige, wandelt gerne auf den Seitenpfaden der Musikgeschichte, neugierig, wie sie ist. Oper und klassisches Lied, schön und gut, aber damit gibt sich Anne Sofie von Otter schon lange kaum mehr zufrieden. Nach Ausflügen in den Pop-Blues (mit Elvis Costello) und in die durch Kunst aufgehellte Düsternis des Konzentrationslagers Theresienstadt hat die schwedische Mezzosopranistin nun nicht nur das Plattenlabel gewechselt (es heißt, bei der Grammophon habe man weitere Extravaganzen in der Programmwahl nicht dulden wollen), sondern unternimmt gemeinsam mit Brad Mehldau eine Reise weg von der Opernbühne, hin zu den Gefilden des Jazz und Chansons. Lauter Liebeslieder sind auf dieser Aufnahme verewigt, und wenn man will, kann man sich in den Sessel zurückfallen lassen und genießen. Heimelig plätschert das Klavierwasser in Mehldaus titelgebenden "Love Songs" auf uns hernieder, und dazu erklingt die leicht metallisch gefärbte, idiomatisch durchaus überzeugende Stimme der Verseflüsterin Anne Sofie von Otter. Seltsam, aber diese Musik lässt einen nahezu unberührt. Tiefsinniger gerät der zweite Teil des Projekts mit Chansons und Lieder unter anderem von Joni Mitchell, Jacques Brel, Michel Legrand und Léo Ferré. Otters samtener, dunkel timbrierter Mezzo zeigt erst hier (und insbesondere in den französischen Chansons), welch suggestive Kraft ihm innewohnt, welch elaborierte Eloquenz und gestalterische Energien diese vielseitige Künstlerin zu entfesseln vermag: ganz leise, ganz intim – und irisierend intensiv.

Jürgen Otten, 30.10.2010



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