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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 8

Royal Liverpool Philharmonic, Vasily Petrenko

Naxos 8.57 2392
(61 Min., 4/2009)

Unter dem jungen Vasily Petrenko starten Liverpools Philharmoniker durch. Vor allem für ihre Schostakowitsch-Aufnahmen werden der junge Russe und das Orchester der Beatles-Stadt in der britischen Presse gefeiert. Die jetzt als dritte Folge des Zyklus erschienene Achte relativiert den Enthusiasmus allerdings ein wenig: Dem Vergleich mit den großen Einspielungen von Mravinsky und Kondrashin bis zu Barshai und Kitajenko hält die Neuaufnahme dann doch nicht Stand. Was schon allein an der spieltechnischen Klasse des Orchesters liegt: Um im einleitenden Adagio den Spannungsbogen über eine Viertelstunde aufrecht zu erhalten, bräuchte es einen fokussierteren Streicherton, die Bläser hingegen vermitteln typische Schostakowitsch-Parameter wie sarkastischen Biss und grelle Alarmsignale eher holzschnitthaft. Auch Petrenko agiert allerdings eher britisch-gediegen als dringlich-essenziell und erreicht weder den elektrisierenden Furor Mravinskys noch die düstere Wucht der fabelhaften Kölner Kitajenko-Aufnahme. Vor allem versäumt es Petrenko, Spannung aus der Reibung zwischen Haupt- und Nebenstimmen zu erzielen, die beispielsweise im Kopfsatz erst den lähmenden Gänsehaut-Effekt schafft. Die tiefen Streicher bleiben oft zu schwach konturiert, die Musik verliert so an räumlicher Tiefe – ein Ergebnis, an dem auch die weichzeichnende Klangregie ihren Anteil hat.

Jörg Königsdorf, 21.08.2010



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