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Johan Halvorsen

Orchesterwerke, Vol. 1

Marianne Thorsen, Philharmonisches Orchester Bergen, Neeme Järvi

Chandos/Codaex CHAN 10584
(77 Min., 9/2009)

Von dem Norweger Johan Halvorsen (1864-1935), einem Griegschüler, weiß man hierzulande wenig. So darf die Aufnahme seiner unverkrampft launigen, brillant orchestrierten und atmosphärisch dichten Orchesterwerke als kleine Entdeckung gefeiert werden. Der mit seiner Bühnenmusik und drei Sinfonien selbst in Norwegen kaum bekannte Halvorsen entfacht einen musikalischen Theaterzauber des 19. Jahrhunderts. Werke wie "La Mélancholie" (nach einer Melodie von Ole Bull) sind gewiss keine große, aber eine eminent kurzweilige Musik. Nämlich moderater Budenzauber. Und damit Zeuge einer Zeit, wo man zu Unterhaltungszwecken die Klassik frequentierte: Sinfonik als Popmusik von gestern.
Halvorsen begann erst als Rentner, sein kompositorisches Schaffen zu intensivieren. Die vorliegenden Arbeiten indes, etwa "Einzug der Bojaren" und "Andante religioso", stammen aus seiner Zeit als musikalischer Leiter in Bergen und am Nationaltheater Oslo ("Mascarade"-Suite). Seine 1. Sinfonie entstand erst in den Zwanzigerjahren, als Halvorsen Violinprofessor in Helsinki war (in Leipzig hatte er bei Adolf Brodsky studiert). Selbst der routiniert unerschütterliche Neeme Järvi gerät am Pult der Bergener Philharmoniker (welche Halvorsen einst selbst leitete) vergleichsweise aus dem Häuschen. Die vorzüglich edierte CD weckt den Sinn dafür, dass die gute alte Spätromantik nicht nur in wagnernde Hohepriesterschaft und sterilen Akademismus zerfiel. Sondern dass sie noch immer – selbst mit den Meistern aus der zweiten Reihe – hübschen Theaterdampf entfacht.

Robert Fraunholzer, 29.05.2010



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