Als meldete sich Rolando Villazón nach seiner Stimmband-Operation auch optisch zurück, hat man hier eine ältere Aufführung recycelt, die im Opernhaus von Barcelona im Juni 2005 mitgeschnitten wurde – also zwei Jahre vor Villazóns (erster) Krise. Tatsächlich entstand die Aufnahme zwei Monate nach der bereits veröffentlichten DVD derselben Oper mit Villazón und Netrebko (aus Wien). Entsprechend gering ist der Erkenntnisfortschritt. Keine Frage, dass Villazón in einer seiner besten Partien Freude verspricht. Während er heute mit der Ankündigung seiner ersten Regiearbeit ("Werther" in Lyon) den Rückzug probiert, kann er sich hier, in der eher leichten Partie des Nemorino, reuelos als Draufgänger geben. Die beim Wiederhören ein wenig einfältig breite, auch druckvolle Tongebung spottet den stilistischen Finessen, die Sänger wie Alfredo Kraus oder Nicolai Gedda der Rolle entlocken konnten. Auch bleibt einem in Nahaufnahme nicht verborgen, wie kalkuliert Villazón mit treuem Terrierblick den Tränendrüsen seines Publikums zusetzt. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt.
Die geschmackvoll aufwendig illustrierende Inszenierung von Mario Gas entdeckt im "Liebestrank" eine Art florentinische "Bohème". Daniele Callegari verlässt sich blind auf die Fähigkeiten seines Orchesters. María Bayo, eine interessante spanische Adina, würde sich aufgrund ihrer Reife auch schon für die "Großherzogin von Gerolstein" empfehlen. Und Bruno Praticò als dickem Quacksalber Dulcamara würde außerhalb des Theaters schwerlich jemand auf den Leim gehen. Kurz: Es ist eine jener DVDs, bei denen man nicht weiß, ob man ihre Überflüssigkeit als Luxus auslegen soll oder als Generalangriff auf die Idee, dass eigentlich nur wichtige Aufnahmen veröffentlicht werden sollten. Schlimm ist die Sache jedenfalls nicht.

Robert Fraunholzer, 01.05.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man eine Umfrage über die Lieblingsjahreszeiten machen würde, dann würde der Winter dabei vermutlich eher schlecht abschneiden. Zu kalt, zu nass, zu dunkel – so die landläufige Meinung über diesen introvertierten Bruder des sonnensatten Sommers und der farbenfrohen Übergangszeiten. Nur Weihnachten, das bildet ein kleines, gemütliches (wenn auch für viele nicht unstressiges) Glanzlicht in der Winter-Tristesse. Doch der Winter ist weit mehr als nur die dunkle Jahreszeit, das hat […] mehr »


Top