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Aaron Copland, Charles Ives, Osvaldo Golijov, Lena Frank

New Worlds

Jan Vogler, The Knights, Eric Jacobsen

Sony Classical 88697 59978-2
(58 Min., 10/2008 u. 1/2009) 1 CD

Schon die ersten fünf Minuten dieser Aufnahme sind eine Sensation: Charles Ives' Orchesterstück "The Unanswered Question" haben die Knights an den Anfang ihres Albums "New Worlds" gestellt – und schöner, magischer ist dieses Werk wohl kaum je gespielt worden. Jeder Ton der langsamen Choralmelodie der Streicher klingt hier, als sei er vollgesogen von den Herbstfarben New Englands, als klänge er aus einer alten Kirche, wo die Nachkommen der Pilgrim Fathers ihre Erntedanklieder singen, herüber in eine übersatte Natur. Und wunderbar behutsam, wie eine Wolke am blauen Himmel, legt sich darüber die Solotrompete mit ihrer Frage, ob dieses Werden und Vergehen denn wirklich alles ist. Kein Zweifel: Die Musiker des New Yorker Kammerorchesters haben sich für ihre erste Porträt-CD Musik ausgesucht, die sie kennen und heiß lieben: Neben Ives sind das Coplands "Appalachian Spring", die Tango-Apotheose "Last Round" des Argentiniers Osvaldo Golijov und eine Suite der 38-jährigen Kalifornierin Gabriela Lena Frank sowie Dvořáks Celloidyll "Waldesruhe" mit einer Special Appearance ihres Förderers Jan Vogler, der sie im letzten Jahr bei den Dresdner Musikfestspielen präsentierte. Und nirgends ist ein Takt zu hören, der nach Routine klingt: Franks Bartók-inspirierte Skizzen andiner Indio-Folklore gewinnen durch den Zugriff der Knights musikantischen Überschwang, Golijovs Stück ist perfekt zwischen Macho-Zackigkeit und Nonchalance ausbalanciert. Und am Ende – in Coplands Ballettsuite – knüpfen die fabelhaften Knights-Streicher wieder bei dem beseligten Selbstvertrauen ihres Ivesklangs an und beantworten die "unanswered question" mit einem golden leuchtenden "Ja". Schöne neue Welt.

Jörg Königsdorf, 23.01.2010



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