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Johann Sebastian Bach

Die Kunst der Fuge

Akademie für Alte Musik Berlin

Arthaus Musik/Naxos 101 467
(82 Min., 11/2007) 1 DVD

Bachs "Kunst der Fuge": nach wie vor ein rätselhaftes Werk. Fragen über Fragen: Welche Reihenfolge der 14 Fugen und vier Kanons entspricht Bachs letztem Willen? Auf welchem Instrument oder mit was für einem Ensemble wird sie idealerweise dargeboten? Was ist der tiefere Sinn dieser exzessiv vielfältigen, überaus tiefgründigen, monothematischen Fugenarbeit, deren enge existentielle Bezogenheit auf ihren Schöpfer kaum geleugnet werden kann? Wie geht man aufführungspraktisch mit der fragmentarischen Gestalt der letzten Fuge um?
Die vielen ungelösten Probleme bedingen im Fall der "Kunst der Fuge" eine weit größere aufführungspraktische Freiheit als bei allen anderen Werken Bachs. Auch eine "orchestrale" Realisierung wie die vorliegende mit Streich-, Blas- und Tasteninstrumenten taucht nicht zum ersten Mal in der Rezeptionsgeschichte des Werks auf. Neu indes ist hier vor allem, dass man den Musikern per DVD-Format und sehr intimer Kameraführung sehr genau auf die Finger schauen kann. Das ist mal ein Gewinn, mal auch nicht, je nach Habitus der einzelnen Spieler. Das differenzierte Orchestrieren des Zyklus zwecks Verdeutlichung der Satzstruktur überschreitet, so wie es für diese Version betrieben wurde, gelegentlich die Grenzen des historisierend Üblichen – wenn etwa bei einer Cembalo-Solo-Version einer Fuge einzelne melodische Linien kurzfristig durch Streicher verstärkt werden, oder wenn eine Fuge durch sukzessive anwachsende Besetzung quasi "durchregistriert" wird.
Alles in allem ist diese Liveproduktion – mit all ihren kleinen Schwächen, wie sie bei konzertanter Darbietung auch auf hohem Niveau nicht zu vermeiden sind – in ihrer wohldurchdachten Dramaturgie durchaus erhellend und instruktiv im Bezug auf die kompositorische Struktur des komplexen Werks. Wie man die "Kunst der Fuge" jedoch gleichzeitig auch rein sinnlich oder hör-ästhetisch zum mitreißenden Erlebnis machen kann, beantwortet sie nicht ganz überzeugend.

Michael Wersin, 09.01.2010



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