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Dmitri Schostakowitsch

Kammersinfonie op. 73a, Kammersinfonie op. 83a, 2 Stücke für Streichoktett op. 11

Kammerakademie Potsdam, Michael Sanderling

Sony Classical 88697 22504-2
(69 Min., 10 u. 12/2007) 1 CD

Ob es sinnvoll wäre, einen klassischen Schwarzweißfilm nachzukolorieren? Die technischen Möglichkeiten dafür sind heute vorhanden, trotzdem tut man es gewöhnlich nicht: zum einen aus der Sorge heraus, dass der Gewinn den Verlust an Authentizität nicht aufwiegen könnte und zum anderen deswegen, weil die künstlerische Herausforderung darin liegt, die technische Beschränkung entweder als Notwendigkeit erscheinen zu lassen, oder aber die Phantasie des Zuschauers so zu stimulieren, dass er Farben zu sehen glaubt, wo keine sind. Ganz ähnliche Vorbehalte kommen auf, wenn man die Bearbeitungen für Kammerorchester hört, mit denen Rudolf Barschai das 3. und 4. Streichquartett von Schostakowitsch in Kammersinfonien verwandelt hat. Dabei sind diese Bearbeitungen handwerklich durchaus geglückt, und sie sind auch ideales Material für die Kammerakademie Potsdam, die aus der Fusion eines separaten Streichorchesters und des Persius Bläserensembles hervorgegangen ist: Die häufigen kontrastierenden Gegenüberstellungen von Streicher- wie Bläserklängen wirken daher ebenso natürlich wie die oft unmerklichen Überblendungen zwischen den Instrumentengruppen. Außerdem sorgt der hellwach dirigierende Michael Sanderling für einen ebenso eleganten wie ausdrucksvollen, warmen und doch transparenten Ton, der insbesondere die oft übersehenen lyrischen Qualitäten des Komponisten hervortreten lässt. Doch ohne Schwarzweißeffekte kommt das grotesk-sarkastische Moment von Schostakowitschs Musik zu kurz – zumal die Instrumentation auch noch ganz auf tiefes Blech verzichtet. Und so hat man nach den beiden farbenreichen, aber weichgezeichneten Kammersinfonien reichlich Appetit auf den etwas körnigeren Klang der solistischen Streicher im frühen Streichoktett.

Carsten Niemann, 12.12.2009



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