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Ludwig van Beethoven

Alle Werke für Violine und Orchester (Konzert op. 61, Romanzen op. 40 u. 50, Konzertfragment WoO 5)

Patricia Kopatchinskaja, Orchestre des Champs-Élysées, Philippe Herreweghe

naïve/Indigo 937642
(62 Min., 10/2008) 2 CDs

Seit ihrer Kreutzersonaten-Platte mit Fazil Say weiß man: Von Patricia Kopatchinskaja kann man allerhand erwarten – nur keinen "klassisch" ausgewogenen Beethoven. Ihn wird auch jetzt jeder vermissen, der sich mit dem Violinkonzert einen beschaulichen Sonntagnachmittag machen will. "Frechheit!" wird er empört rufen, und wir stimmen ihm begeistert zu. Denn was sich die junge Moldawierin mit der wild fliegenden Haarpracht (das naïve-Label liebt offenbar solche Blickfänge) hier, bei ihrem ersten CD-Ausflug in das traditionelle sinfonische Repertoire leistet, zeugt von einer hinreißenden Respektlosigkeit vor der Traditionslast dieses anspruchsvollsten aller Violinkonzerte. Schon ihr erstes Zuwortmelden verstört, verzögert sie doch ihren kadenzartigen Eingang nach der Orchestereinleitung provozierend lang. Danach inszeniert Kopatchinskaja eine Tour de Force dynamisch ex- und implosivster Art, mit wütend herausgeschleuderten Spitzentönen und furiosem Passagenspiel, introvertiertestem Innehalten und innig ausgekosteten Kantilenen. Nicht zuletzt packt einen der verspielt-kratzbürstige Rondo-Witz. Über so viel bedingungslose und originelle Beethovenexpression hinaus ist eine Art historisch fundierter Quellenquerschnitt dieses Work in Progress zu erleben: Kopatchinskaja hat sich im Verbund mit Herreweghe, dem erfahrenen Großmeister der historisch informierten Aufführungspraxis, alle überlieferten Autografen angeschaut und die horrend anspruchsvolle Spiel- und Kompositionspraxis des Wiener Uraufführungssolisten Franz Clement in ihr schnörkelloses Spiel eingebaut. Da Herreweghes Orchester (wenn auch nicht bis zum Äußersten) konturenscharf mitmischt, bleibt nur die Frage: Was will man von einer Neuaufnahme mehr!? Zumal sich die junge Wilde in den beiden Romanzen und dem frühen Konzertfragment als Sängerin von fragiler Expressivität zu erkennen gibt.

Christoph Braun, 10.10.2009



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