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Johannes Brahms

Werke für zwei Klaviere

Emanuel Ax, Yefim Bronfman

Sony CD 89968
(59 Min., 11/2001) 1 CD

Der Segen für diese Aufnahme kommt, wenn man so will, von ganz oben. Bevor nämlich Johannes Brahms, seit langem Bewohner im Himmel des Herrn, an diesen idyllischen Ort entschwand, erlaubte er bei der Komposition seines Klavierquintetts in f-Moll op. 34 und der "Variationen über ein Thema von Joseph Haydn" für Orchester op. 56 gewissermaßen das Überleben dieser Werke auch in anderer Form, mithin ihre zweite Existenz. Und also gibt es die berühmte "b"-Form beider Werke, die wiederum die beiden international renommierten Pianisten Emanuel Ax und Yefim Bronfman veranlasste, sich an diesen vielschichtigen und damit durchaus für vier Hände an zwei Flügeln tauglichen "Brahmsen" zu versuchen.
Ein wichtiges Ingredienz hierfür ist Kraft. Kraft haben beide Pianisten reichlich, und sie setzen sie, im Sinne des sinfonischen Gestus´, der in beiden Werken sichtlich waltet, auch nachhaltig ein. Wer nun glaubt, dieses würde ausarten in brachiales, ja gar präpotentes Brahms-Gedonnere und -Gewittere, der irrt, jedenfalls im Grundsatz. Denn mögen manche Passagen durch den übermäßigen Gebrauch des rechten Pedals auch bewölkt sein, mögen polyphone Feinheiten hier und da in den rauschenden Fluten des schäumenden Forte-Klanges untergehen, so frappiert doch vor allem der lyrische Grundton an dieser Aufnahme. Sprich: Ax und Bronfman halten sich gewissermaßen gegenseitig die Zügel - und damit die Dinge in der Balance. Sie entdecken die klanglich pittoresken Seiten in beiden Werken, sie geben sich bisweilen gar traumverloren den Momenten der intimen Empfindsamkeit hin. Darin vielleicht liegt die große Überraschung dieser Interpretation. Durchaus empfehlenswert.

Jürgen Otten, 30.04.2005



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