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Johannes Brahms

Klarinettentrio op. 114, Klarinettenquintett op. 115

Joan Enric Lluna, Tokyo String Quartet, Lluis Claret, Josep Colom

harmonia mundi
(64 Min., 6/2003, 12/2003) 1 CD

Eigentlich hatte Brahms als 67-Jähriger alles erreicht, künstlerisch wie finanziell, und so erklärte er 1890 sein gerade vollendetes zweites Streichquintett zu seiner letzten Komposition (es war nicht zufällig das Opus mit der Beethov'enschen Nummer 111). Doch dann hörte er ein Jahr später Richard Mühlfeld, den ersten Klarinettisten der Meininger Hofkapelle, in Mozarts Klarinettenquintett. Von dessen außergewöhnlich schönem und weichem Ton war er so begeistert, dass er dem Ausnahmemusiker gleich vier weitere - seine nun wirklich letzten - Kammermusikwerke schrieb: op.114 und 115 sowie (drei Jahre später) die beiden Sonaten op.120.
Die Berliner Uraufführung des Klarinettentrios und -quintetts, an der neben Mühlfeld Brahms selbst sowie sein Freund Joseph Joachim mitsamt seinem Quartett teilnahmen, wurde einer von Brahms' größten Triumphen. Seither scheint klar: das Quintett ist dem Trio vorzuziehen (der arme Mühlfeld musste an jenem Uraufführungsabend das Quintett-Adagio gleich mehrfach bis zur Erschöpfung wiederholen, und die Zeitungsschreiber überschlugen sich fortan mit Hymnen zu dieser würdigen Beethoven-Nachfolge).
Auch auf die Gefahr hin, allzu persönliche Vorlieben auszubreiten: mir sagt das Trio mehr zu als das Quintett. Dies konnte auch die vorliegende Neueinspielung aus Spanien nicht ändern, die man exquisit nennen muss, so kongenial trifft Joan Enric Lluna im Verbund mit dem ebenso innig wie klar strukturiert aufspielenden Tokyo String Quartet den Ton des Quintetts, der wie alle Spätwerke Brahms' jede Leidenschaft vornehm-elegisch und höchst formbewusst temperiert. Kaum delikater lässt sich auch jenes Adagio musizieren, in dem Lluna zwischen "Zigeuner"-Virtuosität und Kantabilität auf betörend leichte Weise changiert. Ansonsten scheint er Brahms' Anliegen, eine möglichst nahtlose Klangverschmelzung zwischen Blas- und Streichinstrument(en) herbeizuführen (durch Verwendung der A-Klarinette) zur eigenen Maßgabe zu wählen: nur selten tritt er wirklich als "Solist" hervor, vielmehr wird hier das "primus inter pares" in Reinkultur demonstriert.
Und dennoch, oder besser: gerade deshalb sagt mir das Trio eher zu, denn hier kann Lluna im Verbund mit dem Cellisten Lluis Claret und Joseph Colom am ureigensten Brahms-"Werkzeug", dem Klavier, die eigentlichen Reize seines Instruments zeigen. Fundiert von den sonoren Akkordenfolgen des Klaviers und den tiefen Cellokantilenen entfalten die Drei ein wunderbar ruhiges, abgeklärtes Gespräch. Wenn Lluna das warme, geschmeidige Timbre seiner Klarinette offenbart, ist der Klangfarbenreichtum des Trios weit größer als der des Quintetts, zumal bei letzterem die Aufnahme weniger tiefenscharf geraten ist.

Christoph Braun, 02.10.2004



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