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Hugo Wolf

Lieder

Angelika Kirchschlager, Helmut Deutsch

Sony Classical/Sony BMG 88697 39189-2
(70 Min., 8/2003) 1 CD

Es gilt vielleicht, sich zu lösen von Dietrich Fischer-Dieskaus frühen Wolf-Aufnahmen, wenn eine CD wie die vorliegende gerecht bewertet werden soll: Gehört nicht zu Wolfs fein ausziselierender harmonischer Sprache, die jeder Nuance des Textes sensibel nachspürt, eine ebenso feine, beinahe suggestiv-psychologisierende Vermittlungskunst, wie Fischer-Dieskau sie einst beherrschte, ohne dabei das Singen zu vernachlässigen? In seinen Aufnahmen mit Gerald Moore am Klavier wurden Wolfs Lieder weitverzweigte poetisch-musikalische Labyrinthe, die den Hörer förmlich einzusaugen vermochten. Das ist nicht Angelika Kirchschlagers Interpretationsansatz. Meistens spricht sie gut, manchmal jedoch verschluckt sie auch wichtige Anlaute oder Endungen. Sie widmet sich immer wieder einmal vor allem dem Singen – ausschließlicher, als Fischer-Dieskau das jemals tat –, freut sich an ihren oft sehr warmen, wohlklingenden Tönen, an ihrem intensiven Legato; dann überlässt sie eher Hugo Wolf die textlich-musikalische Feinarbeit.
In Passagen, wo tatsächlich die musikalische Linie im Vordergrund stehen kann, reüssiert sie damit, beispielsweise auf den Höhepunkten von "Auf einer Wanderung" oder "Verborgenheit". Aber warum sich in der "Verborgenheit" die Schwere, die den Sänger drücket, so unvermittelt in aufblitzende Freude verwandeln kann – das könnte man vor besagtem Höhepunkt schon interpretatorisch noch ein wenig deutlicher machen. Ach, sie singt schon schön, die Angelika Kirchschlager, und es ist ja nicht so, dass sie das Gestalten wirklich vernachlässigt. Aber den Griff zu Fischer-Dieskaus Aufnahmen kann sich der Autor dennoch nicht verkneifen – und sei es nur, um sich zu vergewissern, dass doch noch etwas mehr in diesen Liedern steckt.

Michael Wersin, 14.03.2009



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