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Vicente Martín y Soler

Una cosa rara – Harmoniemusik

Moonwinds, Joan Enric Lluna

harmonia mundi HMC 902010
(58 Min., 2/2008) 1 CD

Künstler wie Kritiker lieben es bekanntlich raunend zu versichern, dass kein Komponist schwerer zu interpretieren sei als Mozart: Diese Leichtigkeit bei gleichzeitiger Tiefe hinzubekommen – ein Kunststück für sich! Doch wenn da nun auch zweifellos etwas Wahres dran ist – müsste man das Gleiche nicht erst recht über Vicente Martín y Soler sagen? Die Werke des spanischstämmigen Mozartzeitgenossen erinnern schließlich in zahllosen melodischen wie harmonischen Wendungen an seinen berühmteren Wiener Kollegen (wobei es eher Soler war, der das zwei Jahre jüngere Genie beeinflusst hat), bleiben dabei aber ein klein wenig mehr dem Elegant-Unterhaltsamen verpflichtet. Wie leicht ist es da, den Hörer zu enttäuschen: etwa wenn eine Phrase genau wie Mozarts unsterbliches "Voi che sapete" beginnt, dann aber im weiteren Verlauf einen leichteren Konversationston anschlägt!
Doch davor bewahrt uns Moonwinds, das All-Stars-Ensemble der spanischen Bläserszene: Sie spielen Solers Divertimenti und das zeitgenössische Arrangement seiner populären Da-Ponte-Oper "Una cosa rara" mit einer derart gelungenen Mischung aus Freude, Selbstbewusstsein, Eleganz, Präzision und einer leisen Differenziertheit der Dynamik und Phrasierung, dass einem selbst dort nichts fehlt, wo man Mozarts Lösungen im Hintergrund mithört. Kurz: Es ist, als ob die Tafelmusik aus Mozarts "Don Giovanni", bei der bekanntlich ein kurzer Ausschnitt aus Solers "Una cosa rara" im Arrangement für die Bläser einer "Harmoniemusik"-Band erklingt, auf die geplante Länge des Soupers ausgedehnt wird. Und Don Giovanni hatte Geschmack!

Carsten Niemann, 30.01.2009



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