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Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini u.a.

Scene d’amore – Opernarien

Soile Isokoski, Philharmonisches Orchester Helsinki, Mikko Franck

Ondine/Note 1 ODE 1126
(57 Min., 2/2008) 1 CD

Dieses Rezital klingt, als sei es aus einer längst entschwundenen Zeit herübergeweht: Aus einer Epoche, in der kultivierte, empfindsame und nuancenreiche Gestaltung noch wichtiger waren als große, üppige Stimmen. Und auch mit ihrem edel silbernen Timbre, ihrer schlanken Tongebung und ihrem kontrollierten Vibratoeinsatz scheint die Finnin Soile Isokoski eine Seelen- und Stimmverwandte von Sopranen wie Eidé Norena oder Lisa della Casa – und obwohl Isokoski sich erst mit 50 Jahren an die Tatjana aus Tschaikowskys "Onegin" gewagt hat, klingt sie in ihrer Aufnahme der Briefszene jugendlicher als die gutturalen slawischen Stimmen, mit denen diese Rolle heute oft aus verfehltem Authentizitätsbemühen besetzt wird.
Eine fein zwischen Koketterie und lyrischer Sehnsucht austarierte Balance prägt auch Marguerites "Juwelenarie", und auch ihre Puccinifiguren schwingen sich aus einer anrührend zarten Grunddisposition erst zu den großen Gefühlen auf – ihre Liù betört mit delikat eingefärbten Trauertönen und ihr "Mi chiamano Mimì" müsste man eigentlich allen angehenden lyrischen Sopranen als Musterbeispiel vorhalten – das ist nicht nur wunderbar gesungen, sondern erzählt davon, dass diese Frau in diesem Moment erst die großen Gefühle in ihrer schwachen Brust entdeckt. Feinfühlig und mit atmosphärischem Flair von Mikko Franck begleitet, ist dies eine der überragenden Arien-CDs der letzten Jahre.

Jörg Königsdorf, 08.01.2009



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