Responsive image
Georg Friedrich Händel

Wassermusik HWV 348 - 350, Sinfonien in B-Dur HWV 339 u. HWV 347

Concerto Köln

Berlin Classics/Edel 0016172BC
(62 Min., 5/2007) 1 CD

Es werden noch viele Wassermusiken die Themse hinunterfließen im Händeljahr 2009 – und bereits jetzt sprudeln die Neueinspielungen gewaltig. Von ihnen ist die vorliegende Aufnahme mit dem Concerto Köln sicher die schönste – aber vielleicht auch die entbehrlichste. Wenn etwa Hervé Niquet mit seinem Le Concert Spirituel versucht, die historisch verbürgten Riesenbesetzungen mit ungestopften Hörnern bei derber mitteltöniger Stimmung zu rekonstruieren, dann klingt das nicht gerade einschmeichelnd – aber es stellt Hörgewohnheiten mit packenden historischen Argumenten infrage. Die Verbindung von Lockerheit und historisch informierter Klangschönheit aber, die Concerto Köln anstrebt, kann man auch mit anderen Ensembles erleben.
Dabei musiziert Concerto Köln sogar noch einen Hauch spritziger, klarer und technisch perfekter als die English Baroque Soloists in der legendären Referenzaufnahme mit John Eliot Gardiner. Aber bisweilen ist es, als höre man ihnen den Ehrgeiz an: "Hört, wie virtuos unsere Hörner und Trompeten trillern können", scheinen die Musiker zu rufen, "passt auf, wie präzise wir die kleinen Verzögerungen in der Réjouissance anpacken. Und ist es nicht eine originelle Idee, das Air der F-Dur-Suite mit einer Cembaloversion einzuleiten, so als säße Händel selbst im Orchester?" Zweifellos: Das sind alles schöne Details. Doch Gardiner kann auf sie verzichten: Seine Phrasen haben den längeren Atem, er strahlt die größere Gelassenheit aus. Concerto Köln lädt eher zum wachen Zuhören, zum bewussten Betrachten glänzend bewegter Wasseroberflächen ein, wo Gardiner mit scheinbarer Beiläufigkeit den träumerischen Zauber einer sommernächtlichen Barkenfahrt beschwört.

Carsten Niemann, 24.10.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top