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Ignaz Lachner, Johann Wenzel Kalliwoda, Friedrich Martin Klughardt, Johann Reicha

Concertini für Oboe

Hansjörg Schellenberger, Orchester der italienischen Schweiz

Campanella Musica/Codaex C 130168
(76 Min., 05/2007) 2 CDs

Selbst einem entdeckungsfreudigen Oboenvirtuosen wie Hansjörg Schellenberger passiert es nicht alle Tage, dass der Nachfahre eines Schubertfreundes an der Haustür klingelt, um zu fragen, ob man nicht Interesse habe, ein unbekanntes Oboenkonzert aufzuführen. Schellenberger tat gut daran, den Fremden einzulassen, denn Ignaz Lachners "Concertino" klingt durchaus nicht nach einem Haustürgeschäft: Auch wenn sich die eines Schumann würdige Einleitung später nicht ganz so gewichtigem brillanten Passagenwerk Raum gibt, dürfte das Werk schon allein wegen seines neckischen Rondofinales in Zukunft häufiger zu hören sein. Dass es Schellenberger gelungen ist, diesem Werk gleich vier weitere Ersteinspielungen beizugesellen, bei denen es sich bis auf eine Ausnahme um mehr als repertoiretaugliche Werke handelt, ist angesichts der nicht gerade reichhaltigen Sololiteratur für klassische und romantische Oboe ebenfalls eine gute Überraschung. Johann Wenzel Kalliwodas (1801-1866) Divertissement op. 58, das den unterhaltsamen Serenadenton immer wieder in romantisches Zwielicht entgleiten lässt, ist ebenso ein Meisterstück wie das in Themen wie Modulationen charakteristisch erfundene F-Dur-Konzert des Mozartzeitgenossen Johann Reicha. Im Gegensatz zu diesen Werken trägt das tadellos gearbeitete Concertino von August Friedrich Martin Klughardt (1847-1902) keine innovativen Züge, berührt aber durch seinen ausdrucksvoll-nostalgischen Mittelsatz.
Verglichen mit dem ausgesprochen flexiblen und gesanglichen Ansatz, den Schellenbergers Nachfolger an den Oboenpulten der Berliner Philharmoniker pflegen, hat sein Zugriff etwas Altmeisterliches: Der Ton ist gerader, und die einzelnen Register, dürfen sich – obwohl die Übergänge grandios gestaltet werden – in ihrer eigenen Charakteristik stärker voneinander unterscheiden. Doch gerade die beseelte Genauigkeit, die Schellenberger als Solist wie Dirigent kennzeichnet, lässt die Substanz hinter der bisweilen brillanten Oberfläche der Werke zu ihrem Vorteil hervortreten.

Carsten Niemann, 08.08.2008



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