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Alexander Glasunow

Der Wald op. 19, Das Meer op. 28, Orientalische Fantasie op. 29

Russisches Staatsorchester, Jewgeni Swetlanow

Melodia/Codaex MEL 1000156
(64 Min., 1990) 1 CD

"Fantasien" nannte Alexander Glasunow die hier eingespielten, groß angelegten Tondichtungen, die in den Jahren 1892 bis 1889 entstanden. Diese Bezeichnung scheint zutreffend zu sein – und auch wieder nicht. Einerseits handelt es sich formal um locker gefügte Werke, die kein Drama entfalten, keine stringente Geschichte erzählen wollen. Auf der anderen Seite trennt Glasunow vom reinen Fantasten die wache Genauigkeit seiner Beobachtungsgabe: Gleich, ob der brillante Instrumentationskünstler einen Wald in allen Klangfarben seines Blätterrauschens nachahmt, ob er ein wogendes Orchestertutti wie eine Welle aufbrechen lässt: die Bilder, die er im Geiste des Hörers erweckt, wirken klar und oftmals sogar fast dokumentarisch. Besonders ohrenfällig wird dies in der Ilya Repin gewidmeten Orientalischen Fantasie: Wie Glasunow hier stellenweise ein rhythmisch differenziertes großes Schlagzeugarsenal mit den in schrillen Registern delirierenden Rohrblattinstrumenten kombiniert, geht über romantische Orientklischees weit hinaus. Swetlanow, der dem russischen Repertoire auch sonst die allzu dumpfe Gefühligkeit auszutreiben sucht, genießt die Zusammenstellung der Werke auf dieser CD hörbar wie ein Wunschkonzert: Er dirigiert inspiriert, klar und durchhörbar, wobei er die Charakteristik der einzelnen Instrumente nie einer glatten Brillanz aufopfert; unterstützt von der Mikrofonaufstellung tun sich dem inneren Auge grandiose Landschaften im Breitwandformat auf, die auch ohne tiefschürfende motivische oder emotionale Konflikte faszinieren.

Carsten Niemann, 17.07.2008



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