Responsive image
Béla Bartók

Konzert für Orchester

Berliner Philharmoniker, Pierre Boulez

EuroArts/Naxos 2056098
(68 Min., 5/2003) 1 DVD

Einem Orchester von der Weltklasse der Berliner Philharmoniker stehen zwangsläufig alle Türen & Tore offen. Zu besonderen Ausflugszielen geraten aber regelmäßig die Europakonzerte, die die Berliner einmal im Jahr, an ihrem Gründungstag (1. Mai) in einer europäischen Kulturmetropole geben. 2003 brach man so nach Lissabon auf, um im Kloster Mosteiro dos Jeronimos aufzutreten. In diesem Riesenbau aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich maurische Einflüsse mit Gotik und Renaissance atemberaubend miteinander verbünden. Auf eine nicht alltägliche Belastungsprobe wurden nun Mauerwerk und Fundament gestellt. Denn Dirigent Pierre Boulez brachte nicht nur Werke von Ravel und Mozart mit, sondern stellte mit Béla Bartóks Konzert für Orchester einen mit allen elementaren Klangkräften spielenden Klassiker der Moderne in den Mittelpunkt.
Weil Boulez sich jedoch schon mit seinen beiden Referenzeinspielungen mit der New York Philharmonic und dem Chicago Symphony Orchestra nicht dem Klangrausch ergeben hat, ist er jetzt genauso als hellhöriger Sensualist zu erleben, wie er mit Argusaugen die musikalische Vielfalt zu packen und zu modulieren versteht. Dass die Berliner Philharmoniker ihm mit all ihren überreichen, instrumentalen Spielfähigkeiten folgen, macht den Livemitschnitt doppelt wertvoll. Für die DVD-Reihe "Discovering Masterpieces of Classical Music" hätte man sich daher auch keine fundiertere Einspielung vorstellen können, um Bartóks musikalische Biografie bis in ihre Zwischenzeilen hinein kennenzulernen. Quasi als Vorwort ist ein 20-minütiges Bartókporträt zu sehen, in dem Boulez zu Wort kommt und das auf die entscheidenden Fixpunkte in der Partitur hinweist. Einzig die Spielzeit mag angesichts der Speichermöglichkeiten einer DVD vielleicht etwas zu mickrig geraten sein. Andererseits trifft hier das gute, alte Motto zu: Less is more.

Guido Fischer, 01.02.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top