EMI 5 66450 2
(1955) 2 CDs, Uraufführung: 1853 in Venedig; ADD, mono, Live-Aufnahme
Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Decca 448 119-2
(1994) 2 CDs, Uraufführung: 1853 in Venedig; DDD, Live-Aufnahme
Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Deutsche Grammophon 415 132-2
(1977) 2 CDs, Uraufführung: 1853 in Venedig; ADD
Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen
Verdis "vom rechten Weg Abgekommene" (La Traviata) ist seine erste und einzige realitätsnahe Oper: ihre Vorlage, Alexandre Dumas' "Kameliendame" von 1848, spielt in der unmittelbaren bürgerlichen Gegenwart (statt wie so oft in historisch-höfischer Vergangenheit). In der Konstellation "Edelhure" versus bürgerliche Moral liegt sozialer Sprengstoff. Doch Verdi hatte nicht diesen im Blick, sondern ein psychologisches "Innendrama": die Wandlung Violettas von einer käuflich zu einer wahrhaft Liebenden. So schön, so gut.
Dann aber bringt die Geläuterte für mein Verständnis etwas viel altruistisches Einfühlungsvermögen in bürgerliche Familien- und Moralwerte auf, verzichtet sie doch auf ihren Geliebten, damit dessen Vater die Tochter passabel verheiraten kann. Zumindest im tragischen, durch ihre alte Berufskrankheit Tuberkulose verursachten Ende, zeigt sich Verdi realitätsnah, läßt er diesen doch nüchtern, fast kalt "passieren".
Wie dem auch sei: Kaum eine zweite Oper steht und fällt derart mit der Besetzung ihrer Titelpartie. Und da führt an Maria Callas kein Weg vorbei. Sie hat dieser Figur wohl für lange Zeit die dramatischste Prägung gegeben - egomane Übertreibung eingeschlossen, wie zum Beispiel die exorbitant gedehnte, mit dem fanalartig demonstrierten dreigestrichenen Es abschließende Liebesbekundung des ersten Aktes. Trotz dieser überwältigenden Bühnenpräsenz der "Assoluta" ist das Glück dieser Live-Einspielung getrübt. Dies liegt nicht am wackeren, die Callas nolens volens nur bedingt in Schranken haltenden jungen Carlo Maria Giulini, sondern an der trotz Aufbereitung mitunter miserablen Tonqualität: Chor und Orchester der Scala ortet man irgendwo in einer riesigen Bahnhofshalle.
Da bietet Georg Soltis Einspielung aus dem Covent Garden genau das Gegenteil: eine ungemein präsente, kompakte, bühnennahe Live-Präsentation, in der gerade auch die Massenszenen packen. Aber auch die junge Angela Gheorghiu! Denn derart glaubwürdig hat man Violetta seit langem nicht mehr agieren hören. Aber auch hier ein "allerdings": Ob auf Geheiß ihres damaligen Mentors Solti oder aufgrund eigener Vorsicht - die Gheorghiu verzichtete auf jene Spitzentöne und blieb so das Spektakuläre an der Belcanto-Kunst schuldig.
Folglich bleibt neben Bronze und Silber noch Gold, und das gebührt der zu Recht in den Schallplattenolymp aufgenommenen Einspielung von Carlos Kleiber. Seine Favoritin Ileana Cotrubas beherrscht nicht nur das gesamte technische Belcanto-Register (mitsamt den Spitzen), aber sie vermeidet die Showeffekte, betört statt dessen mit einer weit "wärmeren", Violetta angemesseneren Tongebung als die Callas. Dass Kleiber hier eine seiner Wundertaten in puncto Detailfanatismus und "drive" vorgelegt hat, ist ausreichend gewürdigt worden. Was die Alfredos angeht, so kann Plácido Domingo ebenfalls auf dem obersten Treppchen stehen, während di Stefano vor dem in den Höhen mitunter kämpfenden Lopardo rangiert.
Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.
Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion
An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.
Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Nach seiner viel beachteten Aufnahme der 7. Sinfonie setzen François-Xavier Roth und das Gürzenich-Orchester Köln ihre Bruckner-Gesamteinspielung fort. Die „Romantische“, wie Anton Bruckner seine vierte Sinfonie selbst betitelt, komponierte er 1874 inmitten einer Zeit persönlicher Niederlagen. Und er zweifelt sofort an seinem Werk, bezeichnet manche Stellen als „unspielbar“ und findet die Instrumentation „hie und da überladen und zu unruhig“. Erst Jahre später, nach […] mehr