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Nikolai Rimski-Korsakow

Scheherazade

Chicago Symphony Orchestra, Fritz Reiner

RCA/BMG GD 60875
(1960) ADD

Nikolai Rimski-Korsakow gehörte zu jenen, die etwas lostraten, was uns bis heute fesselt: den musikalischen Orientalismus. Nie war er dort gewesen; er fand den Orient in seinem Kopf, angeregt von den "Märchen aus Tausendundeiner Nacht". Da erzählt die schöne Scheherazade dem Sultan Märchen, die so kunstvoll ineinander geschlungen sind, dass dieser immer weiter hören will. Zum Glück für die kluge Erzählerin, denn normalerweise ließ der Sultan seine Geliebten jeden Morgen hinrichten. So schützte er sich vor Untreue.
Scheherazade bemüht sich und Rimski gibt der Solovioline ihre Stimme. Beschwörend umrankt sie das zornige Blech des Sultans. Wer würde da nicht weiterhören wollen? Vier Episoden hat diese prächtige Tondichtung; am Ende ist der eifersüchtige Despot bezwungen. Weil Rimski sich und uns beweisen wollte, wie glänzend man für ein riesiges Orchester schreiben konnte, hört man eine unerhört raffinierte für die Blechbläser schweißtreibende Partitur. In Rimskis berühmter Instrumentationslehre (1908) stammen fast alle Beispiele aus "Scheherazade".
Das ist den großen Dirigenten nicht entgangen. Etwa dreißig Aufnahmen sind derzeit im Katalog. Vor Jahren habe ich den Schlusssatz mit den irrwitzig schnellen Blechbläser-Repetitionen im Radio gehört - und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das war Fritz Reiner mit seinem Chikago-Orchester! Reiner hat man oft eine perfektionistische Kälte vorgeworfen. Rimskis Meisterwerk auch. Und das zusammen? Eine Weißglut, eine federnde Eleganz bis zum letzten Instrumentalisten. Daneben klingen andere Versionen breiig. Selten wohl kann ich so unbedingt sagen, wer noch keine Aufnahme besitzt, sollte mit dieser einsteigen und dann, als Gegengift, eine der schweifenden, irrwitzigen, aber auch etwas schlampigen Versionen Leopold Stokowskis hören. Wozu brauchen wir dann noch die Digital-Langweiler?

Matthias Kornemann, 01.12.1999



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