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Hector Berlioz

Arien

Roberto Alagna, Orchester der Oper Covent Garden, Bertrand de Billy,

EMI 557433-2
(69 Min., 4/2002, 9/2002) 1 CD

Wenig zum Jubilieren bietet Roberto Alagnas Querschnitt durch die Bravourstücke von Hector Berlioz’ Helden zu Ehren des 200. Geburtstages des Komponisten. Alagnas Interpretationen sind von einer schwer erträglichen Breite, Schwere und Angestrengtheit. Und selbst in den lyrischen Passagen drückt er allzu gern auf die Tube, sein vorrangiges Ausdrucksmittel.
In schnellen Passagen, etwa im Scherzetto “Mab, la messagère” aus “Roméo et Juliette”, wird die mangelnde Akkuratesse und Agilität Alagnas besonders deutlich. Auch der Nationalhymne der Franzosen, der “Marseillaise”, in einem Arrangement von Berlioz, vermag Alagna nicht den Zauber des Revolutionären zu verleihen, sondern nur die immer gleiche weinerliche Entschlossenheit.
Zudem ist die Aussprache des in Frankreich aufgewachsenen Italieners geradezu vulgär: besonders auffällig die Verschiebungen in den Vokalen und Diphthongen und die Undeutlichkeit der Konsonanten “p” und “t”. Alagnas imposante hohe Brusttöne sind so forciert, dass sie zu sehr aus dem restlichen Klangspektrum herausstechen. Viele Sänger mit kleineren Stimmen und weniger charaktervollen Timbres haben mit vokaler Fantasie und Technik entschieden mehr aus dieser Musik machen können.
Im Duett “Ange adoré” aus “Fausts Verdammnis” ist ihm Angela Gheorghiu als Margarethe die gewohnt vorzügliche Partnerin. Anders sieht es mit der von Alagna engagierten Sprechstimme für Mephisto aus (der in den frühen “Acht Faust-Szenen” ein Tenor ist): Gérard Depardieu trägt dessen satanische Verse mit der gedämpften Feierlichkeit vor, die man in Frankreich für Verlaine-Gedichte reserviert hat.
Bertrand de Billy dirigiert das Orchester des Königlichen Opernhauses Covent Garden zuverlässig und farbenfroh, aber ohne besonderen Reiz. Das Begleitheft ist mit Handlungseinführungen und Übersetzungen - wie immer bei EMI - vorbildlich, abgesehen von der kuriosen Rückübersetzung “Auerbachscher Keller”.

Cornelia Wieschalla, 29.03.2003



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