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Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti

Arien, Szenen, Duette

Roberto Alagna, Angela Gheorghiu, London Philharmonic Orchestra, Evelino Pidò

EMI 5 57302 2
(67 Min., 1999, 2001) 1 CD

Schon nach den ersten beiden Stücken wollte ich mit meiner Standardklage anheben: das soll man "bel canto" nennen, dieses baritonal hochgestemmte, gestresst und angestrengt wirkende Dauer-Forte und -Fortissimo? Da, in Nummer 3 seines neuen Albums mit zwanzig Donizetti- und Bellini-Auszügen, überrascht Roberto Alagna mit einem leichtfüßigen, hell timbrierten, fast geschmeidig und schlank intonierenden Elvino aus Bellinis "Sonnambula".
Doch die Freude ob dieser Wandlungsfähigkeit währt nur kurz: im anschließenden Duett mit seiner anvertrauten Angela Gheorghiu zeigt Alagna wieder jene Untugenden, sodass ihr anrührendes "Verlobt! Oh, süßes Wort!" von ihm schlicht und wörtlich "lauthals" übertönt wird. Angela Gheorghius Eleganz und noble Zurückhaltung haben keine Chance gegen die falsch verstandene Melodramatik ihres Gatten, der jede Emotion vorwiegend in äußere Dezibel statt (auch) in innere Erschütterung und Erregung überführt. Ob er nun von seinem Engel träumt oder inbrünstig Gott anfleht oder seiner Verzweiflung Ausdruck verleiht: Alagnas Dauer-Forte kann sich fantastisch zum Fortissimo steigern (und das hohe C hat er natürlich auch "drauf"), es verliert sich aber nur selten in zarte Piano-Regionen.
Da überrascht der nahtlose Übergang vom Brustton zum grazilen, gleichwohl kernigen Höhen-Falsett in Donizettis "Favoritin" und wirkt geradezu wohltuend. Spätestens beim unvermeidlichen "Una furtiva lagrima" aber ist man wieder auf dem Boden der Alagna-Tatsachen angekommen: da schluchzt es zwar gewaltig und Emotionen gibt es zuhauf, aber von "verstohlenen Tränen" kann angesichts dieser eindimensionalen Interpretation keine Rede sein. Schließlich fällt noch ein Schnittfehler auf beim "sacro a lei" (Track 3). Hat niemand das "Endprodukt" abgehört?

Christoph Braun, 04.07.2002



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