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Max Bruch

Violinkonzerte Nr. 1 g-Moll und Nr. 3 d-Moll

Isabelle van Keulen, Bamberger Symphoniker, Gilbert Varga

Kosch Schwann 3-6522-2
(59 Min., 1/1998, 2/2000) 1 CD

Das erste ist das einzige. Das stimmt natürlich nicht, aber schon Max Bruch hat sich maßlos darüber geärgert, dass man bereits zu seiner Zeit immer nur das erste Violinkonzert aus seiner Feder spielte, die beiden anderen dagegen schlicht ignoriert wurden. Am Ende versuchte sich Bruch mit scherzhaften Aufforderungen zu helfen, in denen er ein „polizeiliches Aufführungsverbot“ für seinen Violinkonzerterstling verhängte – bis heute ohne Erfolg.
Auch Isabelle van Keulen, die sich immerhin für eines der Schattengewächse einsetzt, kann daran nichts ändern. In den Partituren sind wohl ebenso geheimnisvolle wie effektive Mechanismen am Werk, die alles außer dem ersten Konzert zum B-Seiten-Titel machen. Die Nr. 1 ist einfach das profiliertere, dramaturgisch spannendere Stück. Dem Eingangssatz mit seinen klopfenden Mollterzen und der sich aus diesem Unruheherd hinausträumenden Violine steht dritten Konzert ein zwar schwelgerischer, aber sehr unförmiger Konzertbeginn gegenüber, der die Solistin ständig im pieksenden Diskant hält und sie dann in der dünnen Höhenluft ersticken lässt – da helfen auch die grimmig-pathetischen Tutti-Einwürfe nichts.
Der zweite Satz des dritten Konzerts ist sehr schön, der zweite des ersten aber hinreißend. Und vergleicht man die beiden Final-Sätze, so zeigt sich: Bruch hat im dritten Konzert einen zahmen Aufguss der springenden Tripelgriffattacken des ersten geliefert. Umso motivierter ist auch Isabelle van Keulen, wenn es um den Renner unter den Bruch-Konzerten geht, und umso orientierungsloser hinsichtlich gestalterischer Dramaturgie bahnt sie sich die Wege im dritten Konzert – und das trotz makelloser Technik und sehr guter Orchesterleistung.

Oliver Buslau, 05.07.2001



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