Responsive image
Anton Bruckner, Georg Friedrich Händel

Sinfonie Nr. 9, Concerto grosso d-Moll op. 6 Nr. 10

Symphonieorchester des BR, Rafael Kubelik

Orfeo 4 011790 550114
(79 Min., 6/1985) 1 CD

Rafael Kubeliks Wirken als Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ist auf Tonträgern repräsentativ dokumentiert. Als Bruckner-Dirigent jedoch ist er bislang noch nicht so recht im Bewusstsein der außerhalb Münchens angesiedelten Öffentlichkeit verankert. Seine Interpretation der Neunten, die er 1985 im Herkulessaal vorstellte, zeichnet eher ein Persönlichkeitsbild des Interpreten, als dass sie der Bruckner-Diskografie wesentliche neue Fassetten hinzufügte. Kubelik schwenkt keine Weihrauchfässer - was positiv zu Buche schlägt -, doch es fehlt ihm auch der Zugang zum Transzendentalen in Bruckners Musik.
Vital und ereignisbetont dirigiert er die neunte Sinfonie, bewundernswert in der Aufschlüsselung des Mittelstimmengeflechts, manchmal gewöhnungsbedürftig in der Wahl der Temporelationen - etwa im sehr rasch genommenen dritten Thema des Kopfsatzes. Kubeliks Ansatz kommt das aggressive Scherzo naturgemäß besonders entgegen - etwas weniger indes das Adagio, dessen dynamische Steigerungen äußerst diesseitig klingen, und dadurch, im Gegensatz zu anderen Einspielungen, den Aspekt des Unvollendeten Gestalt werden lassen: Bei Kubelik hat der Bruckner der Neunten Sinfonie noch nicht mit dem Leben abgeschlossen.
Das Orchester setzt das Bruckner-Bild des Dirigenten mit höchster Konzentration in die Tat um - kleinere Unsicherheiten im Blech sind bei einer Live-Aufnahme leicht zu verschmerzen - und das Publikum war's zufrieden.
Als Füller gibt es ein historisches Dokument der besonderen Art: Händel mit großem Streicherkörper auf modernem Instrumentarium. Nichts für Puristen, doch mit einem Höchstmaß an Klang- und Rhythmusgefühl realisiert.

Thomas Schulz, 13.09.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top