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N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



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Erich Wolfgang Korngold

Sämtliche Werke für Klavier

Martin Jones

Nimbus Records/Naxos NI 5705/8
(300 Min., 11/2000 - 5/2001) 4 CDs

Ein Wunderkind? Man darf es annehmen. Wer im zarten Alter von elf Jahren eine solch fest verfugte Klaviersonate komponiert, den müssen die Musen geküsst haben. Idiomatisch trägt sie, trotz der erahnbaren melodisch-harmonischen Verwandtschaft zu Alban Berg, Alexander Zemlinsky und Richard Strauss, dennoch bereits die unverwechselbaren Züge seines Schöpfers. Und mag man hier und da auch einige konzeptionellen Lücken erkennen, so ist dieses Opus in d-Moll, welches Erich Wolfgang Korngold in den Jahren 1907/1908 zu Papier warf, im Großen und Ganzen mit dem Attribut genialisch durchaus richtig bezeichnet.
Die Musikgeschichte war mit Korngold lange Zeit ungnädig; im Grunde ist sie es, trotz einiger Aufführungen seiner Oper "Die tote Stadt", bis heute. Mit welchem Recht, wüsste man allerdings gerne. Denn was die frühe Klaviersonate an Talent andeutet, setzt sich im Verlauf des Komponistenlebens (es endete 1957) fort - was auf dieser CD-Box anhand des gesamten Klavier-Œuvres sehr schön nachzuvollziehen ist. Korngold findet eine ganz eigene (ja, auch eigenwillige) Musiksprache, die zumal wegen ihrer harmonischen Raffiniertheit beeindruckt. Korngolds Tonalität ist stets eine farbige, eine zuweilen an der Grenze zur Atonalität entlang schwebende, dabei nie den Boden unter den Füßen verlierende. Sie ist nicht so schwülstig wie die Schrekers, nicht so profan wie die Kreneks. Kurzum: Sie vermittelt, durchaus charmant, entschieden zwischen Tradition und Moderne, ohne ihre Wurzeln zu negieren. Der Pianist Martin Jones erweist sich als profunder Sachwalter von Korngolds Musik. Sein Spiel ist von wohltuender Zurückhaltung und Texttreue. Vielleicht eine Spur zu bescheiden.

Jürgen Otten, 08.05.2004



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