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Johann Caspar Kerll

Missa pro defunctis (Requiem)

Hassler-Consort, Franz Raml

MDG/Naxos 6140739-2
(9/1996)

Wenn man in Gemäldesammlungen Alter Meister in grellem Museumslicht sakrale Kunst bewundert, tut man als Betrachter gut daran, sich daran zu erinnern, dass diese Bilder sonst zu Altären zusammengefügt die Gläubigen zu Sammlung und Buße rufen sollten. Den ästhetischen Wert dieser Schöpfungen versteht nur, wer sich ihrer liturgischen Funktion bewusst bleibt.
Eine ähnliche Einstellung scheint den in Rot an der Rot beheimateten Barockorganisten Franz Raml und sein Hassler-Consort motiviert zu haben, die “Missa pro defunctis” des Johann Caspar Kerll hier nicht einfach herunterzumusizieren, sondern ihr den Rahmen, in den sie gehört, zurückzuerstatten, indem Teile der Messliturgie, aber auch andere Kompositionen Kerlls hinzugefügt werden.
Wie das vorbildliche Beiheft ausführt, erscheinen in diesen Stücken Tod und jüngstes Gericht nicht als Bedrohung, sondern als Vollendung des menschlichen Lebens, der man sich in Demut und Gelassenheit zu fügen hat: Das “Dies irae” beginnt nicht mit Schreckensgebärden, sondern in ätherischen Linien; erst der “Tremor”, das Zittern der Sünder, wird von den Violinen bildhaft ausgedeutet. Das Hassler-Consort musiziert makellos, mit großem Ernst und viel Konzentration, nähert sich hier der musikalischen Kontemplation der letzten Dinge mit einem Respekt, der in der Alten-Musik-Szene heute nicht mehr alltäglich ist. Eine beeindruckende Produktion.

Stefan Heßbrüggen, 30.06.1997



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