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Heinz Karl Gruber

Cello-Konzert, Zeitfluren, Manhattan Broadcasts

Robert Cohen, Schwedisches Kammerorchester, HK Gruber

BIS/Klassik-Center Bis 501341
(58 Min., 2/2002, 3/2002) 1 CD

"Schreibe die Musik, die du hören möchtest." Das war der Rat, den sein Freund, Komponistenkollege und vor allem sein Wiener Nachbar Kurt Schwertsik ihm 1966 mit auf den Weg gab. Seitdem hält sich HK Gruber daran. Und lässt seiner Lust auf Sinnlichkeit, Unterhaltung und raffinierte Stilcollagen freien Lauf. Wer sich entweder auf Grubers schrilles "Frankenstein"-Pandämonium eingelassen oder den Dirigenten Gruber bei seiner spektakulär prominent besetzten "Dreigroschenoper" erlebt hat, der weiß, dass dieser Exponent der lose zusammengesetzten "3. Wiener Schule" nicht nur das Lächeln bei der Moderne wieder entdeckt hat. Gruber bekennt sich zu den musikalischen Erfolgsstorys dies- und jenseits des großes Teichs, zu Musical und Salon, zu hüftschwingenden Rhythmen und ausladend elegischen Melodiebögen, zu expressiver Leidenschaft und dunkel-expressionistischer Spannung.
Wie Gruber aus diesem Eklektizismus hintersinnig Konflikte und Reibungsflächen schafft, zeigt er mit dem Schwedischen Kammerorchester und drei Kompositionen, zwischen denen fast vierzig Jahren liegen. Sind die "Manhattan Broadcasts" von 1964 eine wilde Kreuzung aus George Gershwin, Leonard Bernstein und Kurt Weill, ist das zweisätzige Kammerkonzert "Zeitfluren" (2001) ein zuckender Idiom-Körper, ein phantasmagorisches Spiel mit New Orleans-Jazz, Mahler und polyphonen Hebefiguren. Im Mittelpunkt steht aber das Cellokonzert, das Yo-Yo Ma 1989 aus der Taufe hob und das jetzt von Robert Cohen dank seines glühenden, jedoch nie ins Gefühlige umschlagenden Spiels veredelt wurde. Womit das Melancholische nicht nur ins Lächeln, sondern auch ins leicht verwegene Grinsen gerät. Typisch Wien eben.

Guido Fischer, 18.10.2003



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