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Henry Desmarest

Drei große Motetten aus Lothringen

Sophie Daneman, Rebecca Ockenden, Paul Agnew u.a., Les Arts Florissants, William Christie

Erato/Warner Classics 8573-80223-2
(68 Min., 10/1999) 1 CD

Henry Desmarest ist einer, bei dem es besonders viel Spaß macht, konjunktivisch zu denken: Was wäre gewesen, wenn der 1661 in Paris geborene Komponist sich nicht ausgerechnet in seine Schülerin verliebt hätte? Wenn er also nicht wegen Entführung in Frankreich zum Tode verurteilt und somit zur Auswanderung gezwungen worden wäre? Womöglich hätten wir dann zwar seine Musik heute auch wiederentdeckt, sie jedoch dem vielen Kleinmeisterlichen zugerechnet, das zwischen Lully und Rameau geschaffen wurde.
So jedoch verhelfen die Sänger und Instrumentalisten von William Christies "Blühenden Künsten" einem Komponisten zu neuer Beachtung, der nicht nur virtuos Ingredienzien der verschiedenen Nationalstile des Barock zu etwas sehr Eigenem verschmolz, sondern der vor allem Werke von packendem Ausdruck schuf. Selbst dort, wo der lateinische Text der hier eingespielten, als Spätwerke am lothringischen Hof entstandenen Motetten eine schematische Vertonung geradezu zu fordern scheint, vertieft sich Desmarest derart in die Materie, dass seine Musik zu Herzen geht.
Diese Wirkung verdankt sich natürlich maßgeblich auch der Hingabe, mit der Interpreten hier zu Werke gehen: eine Hingabe, um deren starker emotionaler Wirkung willen man gerne darüber hinwegsieht, dass Chor und Ensemble bei anderen Gelegenheiten schon schlackenloser und durchsichtiger musiziert haben.

Susanne Benda, 26.10.2000



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