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Ludwig van Beethoven

Violinkonzert, Romanzen für Violine und Orchester

Maxim Vengerov, London Symphony Orchestra, Mstislaw Rostropowitsch

EMI 336 403-2
(65 Min., 12/2004) 1 CD

So viele Einspielungen schon und doch gibt es noch Überraschungen. Die erste bieten Vengerov und Rostropowitsch gleich mit den Eingangstakten: Derart langsam hat bisher kaum jemand den Kopfsatz zu nehmen gewagt. Ganze 27 Minuten halten sich die beiden Russen hier auf (zum Vergleich: Heifetz/Münch waren in 20 Minuten durch), doch sie haben in dieser Zeit auch viel zu zeigen. Man möchte diesen Beethoven analytisch nennen, wenn nicht die Musik so selbstverständlich fließen würde und nicht so unverschämt gut und weich klänge. Wie Rostropowitsch hier das LSO aufstellt, wie unglaublich genau er einzelne Akkorde schichtet, so dass man zuweilen glaubt, hier sei neu instrumentiert worden, wie wunderbar Übergänge gelingen, wie weit die Dynamik gespannt ist und wie großzügig am Ende Vengerov seinen Platz als Solist freigeräumt bekommt: das ist schlichtweg sensationell. Maxim Vengerov bedankt sich für diese partnerschaftliche Zuvorkommenheit mit einem ganz und gar ebenbürtigen Auftritt. Von den voluminösen Tutti-Ausschlägen des Orchesters lässt er sich nicht zum virtuosen Showdown verleiten, hält stattdessen das Konzert mit hoher Konzentration auf Messers Schneide zwischen Romantik und Klassik. Die Bruckner'sche Monumentalität des ersten Satzes und die freudige Feierlichkeit des finalen Rondos trennt - und vereint - er im gänzlich entrückten Larghetto: Geige und Bogen wagen zuweilen kaum noch, einander zu berühren. Was soll man sagen? Großartig! Dass die beiden leichtgewichtigen Romanzen als Zugaben die Sensation nicht fortsetzen können, ist im Übrigen so verzeihlich wie verständlich: Wo Beethoven schwächelt, müssen auch Rostropowitsch und Vengerov klein beigeben.

Raoul Mörchen, 22.10.2005



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