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Salvatore Sciarrino

La bocca, I piedi, Il suono

Lost Cloud Quartet

col legno/harmonia mundi 20701
(38 Min., 10/1997, 3/2002) 1 CD, mit Bonus-Audio-DVD

Am Ende geraten sie geradezu außer Rand und Band. Die vier Saxofone, die bis dahin ein geheimnisvolles Dasein geführt haben. In winzigen Kreisbewegungen und mit Ton-Tupfern, die sich ständig am Rande der Stille aufhalten. Dazwischen stößt immer wieder ein Saxofon einen kurzen Seufzer aus, während ein anderes wie auf einem Bein wankt, zu zittern beginnt. Es ist eine Reduktion des Klangmaterials auf Wesens-Gesten, auf einzelne Laut-Glieder, mit denen der italienische Komponist Salvatore Sciarrino seinen Ruf als Musiktheater-Mann auch dann bestätigt, wenn noch nicht einmal ein einziges Wort fällt. Schließlich geht es in seinem 1997 uraufgeführten Werk für Saxofon-Quartett "La Bocca, I Piedi, Il Suono" erneut um nichts anderes als die Physiognomie und Psychologie von Musik, um ihre erzählerisch-dialogischen Kräfte, die selbst im Verschwiegenen unüberhörbar sind.
Doch "La Bocca, I Piedi, Il Suono" fügt sich so nicht nur in seiner zerbrechlichen und sich doch stets behauptenden Körperlichkeit nahtlos in die bisherige Musiksprache Sciarrinos ein. Anlässlich der Wiedereröffnung des Stadttheaters in Ancona erweiterte Sciarrino den Raum-Klang, legte er vom Lost Cloud Quartet und seinem brillant umgesetzten, existenziellen Geräuschespektrum eine Nabelschnur in ein Fassbares Hier und Jetzt: über einen 100-köpfigen Saxofon-Chor mit seinen feinen, klappernden Regen-Imitationen. Diese audiovisuelle Mega-Dimension und Dramaturgie kann eine konventionelle CD natürlich nicht widerspiegeln. Dafür gibt es immerhin eine Bonus-Audio-DVD, die diesen elementaren Sciarrino-Radius durchaus (be-)greifbar macht.

Guido Fischer, 21.08.2004



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