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Ludwig van Beethoven

Werke für Violoncello und Klavier

Pieter Wispelwey, Dejan Lazić

Channel Classics/harmonia mundi CCS 22605
(135 Min., 12/2004) 2 CDs

Interessantes Booklet: ein Triptychon, welches Einigkeit hier, Dreifaltigkeit dort suggeriert. Links der Cellist, rechts der Pianist, scharf gestochene Schwarzweiß-Fotografie. Und in der Mitte der Meister höchstselbst, grimmig blickend, so als träfe er gleich Goethen, vor einem in glühendes Rot gewandeten Hintergrund. Rot, das wissen wir, ist die Farbe der Liebe, des Blutes und, leider, ebenso des Todes, und natürlich auch ein bisschen die Farbe des Teufels (wer weitere Assoziationen sucht, sollte den Roman "Rot" von Uwe Timm lesen, darin finden sich rund eintausendundeins wundersam-wunderschöne Rot-Töne). Wollen nicht hoffen, dass er Zeuge wurde dieses Treffens, dabei sämtliche Werke für Violoncello und Klavier Beethovens, also auch die drei Variationenwerke (zwei nach Mozart, eines nach Händel) verhandelt wurden. Eines jedenfalls lässt sich in toto über diesen Gedankenaustausch sagen: Er wird mit erheblicher Leidenschaft und mit nicht minder erheblicher Entschieden- und Entschlossenheit geführt. So vital, so frisch ward Beethoven selten. Und vor allem so rhythmisch. Was nun allerdings einige Widersprüche hervorlockt.
Warum dies? Beethoven war ein Rhythmiker vor dem Herrn, das ist nicht umstritten. Aber war er so kantig, so schroff in seiner Rhythmik, wie Pieter Wispelwey (auf einem herb und direkt klingenden Guadagnani von anno 1760) und sein Kompagnon Dejan Lazić (auf einem Steinway D-Flügel aus dem 21. Jahrhundert) etwa in der A-Dur-Sonate op. 69 (und dort im Speziellen im Scherzo) sowie im Vivace der C-Dur-Sonate op. 101 vorführen? Wer sich die grandiose Aufnahme des ungarischen Gespanns Miklós Perényi (Violoncello) und András Schiff (Klavier) nochmals in Erinnerung ruft (sprich: sie anhört), der muss daran zumindest zweifeln. Perényi und Schiff haben den Romantiker Beethoven hofiert, ihn mit Klängen aus einer anderen, beinahe vergessenen Welt umflort. Ein Genuss der besonderen Art, weil ja hinter dem Zorneswütigen immer und immerdar der sanfte Riese Beethoven wartet und wandelt. Wispelwey (der das Gesamtwerk bereits zum zweiten Mal eingespielt hat, nunmehr auf einem Instrument mit Stahlsaiten und nicht mit Darmsaiten wie noch 1992) und Lazić wollen davon wenig, zu wenig wissen. Sie treiben das Geschehen wie einen Ochsen vor sich her, stets um klarste Formulierung bemüht. Die Schönheit in Beethoven wollen (oder können) sie nicht aufs Podium kommen lassen. Es dominiert die Energetik, das Sportive. Passagenweise funktioniert diese Lesart denn auch wunderbar. Aber sie gereicht, so monochrom wie hier dargeboten, der Poesie Beethovens nicht zu jenen Ehren, die sie nun einmal verdient. Zu groß ist das klangliche Defizit. Was schade ist. Aber nicht zu ändern.

Jürgen Otten, 20.08.2005



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