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Albert Roussel

Orchestersuiten

Orchestre National de l'Île de France, Jacques Mercier

RCA/BMG 7 43215 85962 8
(67 Min., 7/1995) 1 CD

Albert Roussels Ballettoper "Padmâvati" ist ein Unikum der Musikgeschichte. Kein Komponist vor ihm gelangte so nah an den Geist indischer Musik heran, die mit ihren Rhythmen und Skalen allgegenwärtig ist in dieser monströsen Partitur. Die beiden Suiten, die Roussel aus dem Material seiner Oper destillierte, sind indes nur ein matter Abglanz dieses orgiastisch die Klangmassen türmenden, rhythmisch aufwühlenden Werkes.
Wer die gestrichene Plasson-Aufnahme von 1982 nicht kennt, könnte die Musik mulmig und diffus finden. Das liegt zum Teil daran, dass Roussels Suiten nicht gerade von fesselnder Architektur sind. Die erste verhaucht matt mit dem "Tanz der Sklavinnen", während in der Oper darauf eine der aufpeitschendsten Nummern folgt, die Roussel seiner Suite nicht hätte vorenthalten dürfen. Mulmigkeit liegt aber auch über der Aufnahme. Das Klangbild ist ausgemacht verwaschen und wummerig basslastig. Doch auch das Orchester rührt allzu pauschal in dem üppigen Klangteig. In einem der wundervollsten Abschnitte in Roussels Gesamtwerk, den Schluss von "Padmâvati", überhört Mercier die herrlich registrierten, zarten Dissonanzen im Holz. Roussel war ein Meister verdämmernder Schlüsse.
"Le marchand de sable qui passe", ein zauberhaftes Frühwerk, ist ursprünglich für ein neunköpfiges Kammerensemble gesetzt. In dieser Aufnahme wird es in größerer Besetzung geboten. Daran liegt es indes kaum, dass das Stücklein hier jede Wirkung verfehlt. Es wird verkniffen, den Details gegenüber achtlos heruntergespielt. Wer einmal gehört hat, wie anmutig die Einwürfe der Harfe am Beginn des "Interlude" in den traumverlorenen Monolog der Klarinette greifen - nur ein Beispiel - , den wird die Lieblosigkeit, mit der Mercier über delikate Nebenstimmen dieser Partitur hinweggeht, ärgern.

Matthias Kornemann, 23.11.2000



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