Johann Heinrich Rolle kam in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts seinen Pflichten als Magdeburger Musikdirektor mit der Komposition von musikalischen Dramen - einer Art Oratorium - nach. “Der Tod Abels” - jene alttestamentarische Erzählung vom Brudermord unter den Kindern von Adam und Eva - war seinerzeit nicht nur in Magdeburg, sondern in ganz Europa populär.
Die Mischung aus barocken und frühklassischen Einflüssen macht das Werk recht interessant - trotz reizvoller Momente sind Längen jedoch nicht zu überhören. Die Interpreten vermögen durch engagiertes, klanglich abwechslungsreiches Musizieren und ansprechende Tempi zu überzeugen - abgesehen von kleineren Unsauberkeiten in den Violinen. Gerade der Chor, der einen gewichtigen Teil des Werks bestreitet, vermittelt die Dramatik des tragischen Geschehens sehr plastisch (zur Verdeutlichung der Handlung hat Rolle szenische Anweisungen sozusagen für das innere Auge der Interpreten notiert).
Bei den Sängern vermag in diesem Mitschnitt lediglich Harry van der Kamp in der zentralen Partie des Adam vollständig zu überzeugen - einige der weiteren Vokalsolisten waren mit den Partien entweder überfordert oder nicht optimal disponiert. Dennoch ist diese Einspielung eine willkommene Repertoireergänzung.

Peter Overbeck, 30.04.1998



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Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


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