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Lunar

Marc Copland, David Liebman-Quartet

Hat/Harmonia Mundi Hatology 583
(58 Min., 10/2001) 1 CD

Mit der gleichzeitigen Veröffentlichung dreier unterschiedlich besetzter Alben auf ebensovielen Labels versucht sich der Pianist Marc Copland verstärkt zu profilieren - neben einem Soloalbum und einer Trio-Expedition mit John Abercrombie und Kenny Wheeler hat er die Besetzung seiner vielgelobten Balladenplatte "Haunted Heart & Other Ballads" mit David Liebman zum Quartett aufgestockt.
Auf einen Titel wie "Lunar" (als Anspielung auf Miles Davis' "Solar") habe ich schon länger gewartet; für eine große und überaus angenehme Überraschung sorgt dagegen Dave Liebman, der nach vielen Jahren Pause wieder zum Tenorsaxofon greift. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigt seine eigenständige Duo-Interpretation von "Naima", die belegt, wie weit er sich mittlerweile aus dem einst übergroßen Schatten John Coltranes herausbewegt hat.
Aber auch Liebmans Sopranspiel - wie bei der auf zwei rasend schnellen, absteigenden Basslinien Mike McGuirks aufgebauten Nummer "Pirouette" - möchte man nicht mehr missen. Ich halte Liebman für den nach wie vor überzeugendsten Exponenten dieses problematischen Instruments. Nebenbei darf man McGuirk und den bislang ebenso unbekannten Schlagzeuger Tony Martucci als Entdeckungen feiern.
Ebenfalls als Duo Tenorsaxofon/Klavier hat Liebman den Standard "You And The Night and The Music" angelegt, und ich finde nicht nur erfrischend, wie er die Ausbrüche ins Geräuschhafte des freien Spiels in seinen heutigen, gemäßigteren Stil integriert hat, sondern auch, dass er mit Marc Copland zu einer ähnlichen Übereinstimmung wie mit seinem langjährigen Partner Richie Beirach gelangt. Copland trifft stets den passenden Tonfall zwischen zarter Tonmalerei und aggressiver Attacke. Kaum zu glauben, dass diese auch klanglich wunderbar austarierte Aufnahme an nur einem Tag entstand.

Mátyás Kiss, 02.05.2002



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