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Black Moments

Klaus König

Enja/Soulfood ENJ-9428 2
(65 Min., 2001) 1 CD

Zunächst einmal ein Sonderlob für die wunderschöne, themabezogen schwarz-weiße Gestaltung des Textbüchleins, das man immer wieder gern zur Hand nimmt. Dann meine Anerkennung dafür, dass nach dem Pop-Konzeptalbum-Klassiker "Tales Of Mystery & Imagination" (The Alan Parsons Project, 1975) nun auch jemand den Versuch unternimmt, die Dichtung Edgar Allan Poes zu verjazzen. Doch allzuweit entfernt sich Klaus König nicht von der Rockmusik, sprich: dem Art Rock der siebziger Jahre: Den 1959 geborenen König scheinen Gruppen wie Van der Graaf Generator oder King Crimson nachhaltig beeindruckt zu haben; er greift gleich auf die Dienste zweier E-Gitarristen zurück, die aber die akustischen Instrumente nicht übertönen.
Die Anlage des siebzehnteiligen Zyklus' überzeugt: Gelegentlich, wie in "Romance", hat König ein Gedicht nur instrumental bearbeitet, also direkt in Klangfarben übersetzt. Doch in der Regel bekommen wir eher rockige Gedichtvertonungen zu hören, die König einem der vielseitigsten Vokalisten unserer Zeit anvertraut hat: dem Engländer Phil Minton, der vor fünf Jahren in ähnlicher Funktion mit Carla Bleys "Escalator Over The Hill" brillierte. Dann folgt als Zwischenspiel die improvisatorische Umsetzung des Themas durch einen Solisten aus den Reihen des achtzehnköpfigen Orchesters.
Egal, ob es sich um einige der vornehmsten Kräfte der an Könnern reichen Kölner Jazz-Szene (Wollie Kaiser, Reiner Winterschladen) oder um neue Namen handelt: Die gerecht verteilten, musikalisch stets faszinierenden Soli bringen wie klassische Arien die "Handlung" zum Stillstand und schaffen Erholungspausen, an denen es den meisten sogenannten Rock-Opern mangelt. In Königs überraschend vielseitiger, weithin ausgeschriebener Musik kommen neben den morbiden auch die lebensbejahenden Aspekte der Vorlagen nicht zu kurz, denn über dem "gothic horror" seiner oft verfilmten Schauergeschichten vergisst man gerne Poe, den romantischen Liebenden, dem nur ein kurzes Leben vergönnt war.
Wer kein Freund kopflastig konzipierter, textlich bisweilen überbordender Kunst-Lieder voller Takt- und Stimmungswechsel ist, kann die untextierten Abschnitte auch direkt anwählen - allerdings um den Preis des dramaturgischen Zusammenhangs, denn die Stücke gehen wie bei Frank Zappa ineinander über.

Mátyás Kiss, 19.09.2002



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