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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



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Renascence

Art Pepper

Galaxy/ZYX 0 25218-4202-2
(52 Min., 9/1975) 1 CD

Stellen Sie sich vor, Stan Getz wäre, anstatt mit Bossa-Nova-Klängen einen Welterfolg zu landen, 1960 wegen Drogendelikten ins Gefängnis gewandert und wäre die nächsten fünfzehn Jahre aus dem Teufelskreis Zuchthaus - Reha-Klinik - Rückfall nicht mehr herausgekommen. Genau dies aber war das - in seiner schonungslosen Autobiografie detailliert nachzulesende - Schicksal des heißen Westküsten-Altisten Art Pepper. Seine Charlie Parker kaum nachstehenden Improvisationskünste verewigte er in den späten Fünfzigern auf einer Reihe starker Pacific-Jazz- und Contemporary-Alben. Einen separaten Eintrag in die Geschichtsbücher des Jazz verdiente er sich aber erst mit den schlichtweg genialen Leistungen, die er in den sieben Jahren nach dem wohl seiner Frau Laurie zuzuschreibendem Comeback im Jahre 1975 vollbrachte.
Aus dem Jahr seiner künstlerischen Wiedergeburt stammt dieser bislang unbekannte Mitschnitt eines Club-Engagements: Drei obskure Lokalmatadore inspirierten ihn kaum weniger als die Stars, mit denen er vier Wochen zuvor für "Living Legend" im Studio gestanden war - die Ballade "Here's That Rainy Day" und das mächtig rockende "What Laurie Likes", die auf beiden Platten auftauchen, laden zum Hörvergleich ein. Der gemütlich dahinmarschierende Dameron-Standard "Good Bait" bereitet den Hörer in keiner Weise auf den in haarsträubend angezogenem Bebop-Tempo genommenen Pepper-Dauerbrenner "Straight Life" vor, bei dem jeder nur leicht verunsicherte Solist schleunigst die Bühne räumen müsste.
Alle Stücke sind mit Peppers gereifter Persönlichkeit imprägniert: In sein von nervöser Leidenschaft geprägtes Spiel gelangten durch den Einfluss John Coltranes "honks" und "cries", welche den Hitzegrad weiter steigern. Sie erscheinen organisch integriert und dienen ganz der Vertiefung von Peppers künstlerischer Aussage - als wollte er all den Schmerz über die verlorenen Jahre und all die Freude über sein wiedergewonnenes Leben gleichzeitig artikulieren.

Mátyás Kiss, 27.07.2000



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