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TNT

Steve Turre

Telarc/In-Akustik CD-83 529
(59 Min., 11/2000) 1 CD

Eigentlich ist TNT ein explosiver Sprengstoff. Bei Steve Turre stehen die drei Buchstaben allerdings für Trombone 'n' Tenor - und diese Kombination ist weitaus weniger gefährlich. Dabei hat er nur Top-Musiker engagiert: Zum einen James Carter, Mulgrew Miller, Buster Williams und Victor Lewis an Tenorsaxofon, Piano, Bass und Schlagzeug, und zum anderen Dewey Redman, Stephen Scott, Peter Washington und Lewis Nash in derselben Instrumentenreihenfolge. In "Puento Of Soul" und "E.J." ersetzt David Sanchez den Vater von Joshua Redman, und außerdem kommt noch Giovanni Hidalgo mit Congas, Timbales und Campana dazu.
Er habe sich immer an den Älteren orientiert, lässt sich Steve Turre im Beiheft zitieren. "Ich merkte früh, dass die Alten den Schlüssel zur Abstammung, zum Phrasieren, zu der Sprache haben." Deshalb macht er es sich mit den drei verschiedenen Besetzungen keinesfalls im Hauptstrom des Jazz bequem - auch wenn die Platte beim ersten, oberflächlichen Hören so stockkonservativ wie kein anderes Turre-Album der letzten zehn Jahre klingt. Dazu passt, dass er erstmals seit langem darauf verzichtet, auf seinem Set von Muscheln archaische Klänge in die Stücke zu mischen.
Dem braven, von den grundsolide begleitetenden Ryhthmusgruppen geprägten Eindruck steht beispielsweise in "Eric The Great" ein überbordendes, aus dem neuen Jahrtausend stammendes Solo von James Carter entgegen, und Dewey Redman phrasiert in "Stomping At The Savoy" mit einer entspannten Klasse, zu der sein viel gerühmter Sohn noch lange nicht fähig wäre. Wunderschön gestaltet er die in der Swing-Ära entstandene Melodie mit einer Fülle an Klangfarben und Verzierungen aus, ohne auch nur einen Moment ins Geschwätzige abzugleiten.
Die Schlussnummer "Dewey's Dance" bietet Redman dann die Gelegenheit, seine eigene Musik mit aller Konsequenz zu verfolgen. Überhaupt entwickelt sich die Platte vom Braven "Back In The Day" über das latinisierte "Puente Of Soul" und Ray Charles Soul-Klassiker "Hallelujah, I Love Her So" zum Komplexeren.
Und dann Steve Turre! Es lohnt sich, seinen großartig geformten Tönen nachzulauschen und zu beobachten, wie außerordentlich er beispielsweise in "The Nearness Of You" mit jeder Faser swingt. Mit diesem Album hat der Großmeister seine sensationellen Posaunenkünste im Understatement der Traditionsbezüge versteckt.

Werner Stiefele, 23.08.2001



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