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Like Cozy

Shirley Scott

Prestige/ZYX PRCD-24258-2
(72 Min., 1958 - 1960) 1 CD

Um 1960 unterhielt die unabhängige Firma Prestige ein Sublabel mit dem sprechenden Namen "Moodsville", das so etwas wie die klingende Antithese zu dem zeitgleich gepflegten Genre "New Jazz" verkörperte. Die hier präsentierten Künstler waren Experimenten jeder Art abhold und konzentrierten sich fast ausschließlich auf das genüssliche Zelebrieren von Blues und Balladen; der Pianist Red Garland etwa schien für solche Aufgaben prädestiniert. Aber auch Shirley Scott, die musizierende Frau des Tenoristen Stanley Turrentine, fügte sich wunderbar in dieses Konzept, wie diese lange nicht zugänglichen Aufnahmen belegen.
"The Shirley Scott Trio" und "Like Cozy", so die Titel der hier gebündelten Originalalben, haben zudem den Vorteil, auf eine oft vernachlässigte Seite der Organistin Shirley Scott hinzuweisen: der Pianistin gleichen Namens, die ihre beiden Instrumente hier abwechselnd und, dank Playback, gelegentlich sogar parallel einsetzt. Nur leider wirkt sie auf dem Klavier nicht allzu originell - neben einem Garner-Touch verlässt sie sich, als ob sie Gene Harris von den "Three Sounds" Konkurrenz machen wollte, auf eine Handvoll Barpianisten-Klischees, die ihre Entscheidung für die Orgel im Nachhinein als weise bestätigen. Da sie auf den Einsatz der Fußpedale verzichtet, kommt ihr grandios "walkender" Bassist George Duvivier umso mehr zur Geltung.
Durch die auf der Hammond gewählten Registrierungen erscheint die Musik dieser CD anfangs um einiges antiquierter als die zeitgleichen Bemühungen Jimmy Smiths. Anders formuliert: sie verströmt den Mief der fünfziger Jahre - was andererseits ihren Scharm ausmacht. Zumindest in gemäßigten Tempi zieht Shirley Scott das Idiom des relaxt swingenden Rhythm & Blues deutlich dem hardboppigen Genre Smiths vor.

Mátyás Kiss, 26.07.2001



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