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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Plays Trane

David Murray Oktett

Enja/Edel Contraire ENJ-94062
(69 Min., 4/1999, 5/1999) 1 CD

Haben Sie schon mal eine Dixieland-Kapelle John Coltranes "Giant Steps" intonieren hören? Werden Sie wohl auch nie, denn den Vertretern des traditionellen Jazz ist dieses Stück so fern wie der Nordpol dem Südpol. Die nach Meinung der Oldtimer schädliche L'art-pour-l’art-Entwicklung des Bebop mit ihrer eitlen Virtuosität gipfelt gewissermaßen in dieser harmonischen Etüde.
Indem er sein Oktett kollektiv über "Giant Steps" improvisieren lässt, bringt David Murray nun zusammen, was nicht zusammengehört. Ein netter Einfall, der neben der Unisono-Wiedergabe von Coltranes Original-Improvisation die Endlos-Folge der Einzelsoli auflockert. Abgesehen davon und von der ruppigeren Spielhaltung, klingt das Ganze nach einer Hardbop-Session im Stil der fünfziger Jahre, bei der die Rhythmusgruppe einen soliden, die Trompeter einen guten und die anderen Bläser (einschließlich des Leaders) einen nicht immer überzeugenden Eindruck hinterlassen. Murray findet in der folgenden Ballade ein besseres Vehikel für seine Spielweise. Es ist natürlich "Naima", das neben anderen Coltrane-"Hits" wie "Lazy Bird", "A Love Supreme" und "India" nicht fehlen darf.
Insgesamt eine unausgegorene und einfallslose Auseinandersetzung mit John Coltrane, die die Klangmöglichkeiten des Oktetts nur verkümmert nutzt und damit einen Großteil der Möglichkeiten einfach verschenkt. Als Legitimation dieses Tributs bleibt lediglich die Auseinandersetzung des Solisten David Murray mit dem Jahrhundertmusiker John Coltrane übrig. Damit begibt sich Murray auf gefährlich dünnes Eis.

Jürgen Schwab, 02.11.2000



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