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Voyager

Robert Mitchell's-Panacea

Dune/EFA CD 63154-2
(70 Min., 12/2000) 1 CD

Der einunddreißigjährige Pianist und Keyboarder Robert Mitchell hat eine Mutter aus Barbados, ist aber in England geboren und aufgewachsen. Er verfolgt erst seit kurzem eigene Projekte; bislang war er unter anderem in den Bands von Courtney Pine, Greg Osby und Steve Coleman zu hören. Doch nicht nur er selbst blickt auf eine bikulturelle Herkunft zurück - auch sein Sextett Panacea rekrutiert sich aus aller Herren Länder. Dazu kommt noch, dass es sich um keine Standardbesetzung handelt: Die afrikanische Sängerin ist ebenso vollgültiges Mitglied wie der deutsche Perkussionist. Der E-Bass eines Franzosen ist auf allen Titeln zu hören, während Mitchell von seinem Konzertflügel gelegentlich zu Fender-Rhodes-Piano oder Synthesizer wechselt.
Vor diesem Hintergrund kann man vielleicht besser verstehen, warum die mit vollem Bewusstsein eklektische Musik von "Panacea" keinem Jazzstil eindeutig zugeordnet werden kann. Am stärksten erinnert sie, gerade von ihrer rhythmischen Anlage her, an Bestrebungen von Künstlern wie Eliane Elias, Danilo Perez oder Gonzalo Rubalcaba. Wer deren Ansatz schätzt, wird auch einen Zugang zu Robert Mitchell finden.
Trotzdem fühle ich mich mit dieser CD nicht wohl. Was ich im Zusammenhang mit M-Base-Künstlern äußerte, gilt auch für Mitchell: An die Stelle von "The Will To Swing" (wie eine Peterson-Biografie treffend heißt) tritt zunehmend ein Unwille, ja eine neumodische Verweigerung, zu swingen. Wo bleibt die rhythmische Spannung, der vorwärtstreibende Zug der Musik? Was ich hier schmerzlich vermisse, kann man bei Dizzy Gillespie, Chico O'Farrill oder Mario Bauza, die als erste erfolgreich karibische mit Jazz-Rhythmen kreuzten, in Hülle und Fülle genießen.

Mátyás Kiss, 21.03.2002



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