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All The Birds

Marilyn Mazur

Stunt Records/Sunnymoon STUCD 02072
(130 Min., 4/2001) 2 CDs

Die dänische Schlagwerkerin Marilyn Mazur ist bei uns in der Hauptsache als Sidewoman von Miles Davis (1985-88) und Jan Garbarek (seit 1992) bekannt geworden. Dass sie seit ihrem Ausscheiden bei Miles ihr eigenes Septett namens Future Song unterhält und für ihre vielen Tätigkeiten mit dem hochdotierten dänischen Jazzpar-Preis 2001 geehrt wurde, ist noch nicht ins allgemeine Bewusstsein gedrungen.
Dem lässt sich nun mit einem neuen Doppelalbum abhelfen, das ihre ganze Spannweite als Komponistin, Bandleaderin, Schlagzeugerin und Perkussionistin ausschreitet. Im Prinzip wechseln sich hier zwei Besetzungen ab - zum einen Future Song mit der Sängerin Aina Kemanis, dem Holzbläser Hans Ulrik, dem E-Gitarristen Eivind Aarset, der Keyboarderin Elvira Plenar, dem E-Bassisten Klaus Hovman sowie dem Schlagzeuger Audun Kleive; zum anderen agiert hier das nur mit Frauen besetzte Schlagquartett Percussion Paradise. Außerdem treten als anlässlich des Jazzpar-Projekts gefeaturete Solisten noch Josefine Cronholm (Gesang), Palle Mikkelborg (Trompete), Fredrik Lundin (Saxofon, Flöte) und Anders Jormin (Kontrabass) hinzu. Wer den skandinavischen Jazz der letzten Jahre nur ein wenig verfolgt hat, wird hier ein Who's Who nordischer Jazzprominenz entdecken.
Doch wer jetzt annimmt, die beiden Gruppen würden fein säuberlich nach CDs getrennt vorgestellt, sieht sich verwirrt: Die Besetzungslisten werden wild durcheinander gerüttelt und neu angeordnet: Die erste, balladeske CD heißt "Reflecting", die zweite, deutlich lebhaftere "Adventurous". Zu hören sind nahezu alle Spielarten von Musik, die man sich auf den genannten Instrumenten nur vorstellen kann: von ethnisch angehauchter, pseudoafrikanischer Folklore über Songwriter-Pop, lärmenden Rock, herkömmlichen Neobop und backbeatbetonte Fusionklänge bis hin zu kompositorisch und klanglich raffiniert ausgezirkelter Kammermusik.
Einziger Ariadnefaden durchs Labyrinth der Stile ist das von Mazur durchweg mit tänzerischer Leichtigkeit zum Klingen gebrachte Schlagwerk. Im Ohr bleiben auch die überaus angenehmen Stimmen der beiden Sängerinnen.

Mátyás Kiss, 12.12.2002



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