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At Carnegie Hall

Thelonious Monk-Quartet, John Coltrane

Blue Note/EMI 335 174-2
(51 Min., 11/1957) 1 CD

An die kargen Soloaufnahmen des Pianisten Thelonious Monk erinnert, wie er zu Beginn des Konzerts vom 29. November 1957 das Thema von "Monk’s Mood" skizzierte. Er folgt einer individuellen Ästhetik, die Wesentliches, Strukturelles betont und auf unnötigen Zierrat verzichtet. Dabei dreht und wendet er die Kernsubstanz, schichtet wie Picasso in seinen Porträts verschiedene Perspektiven übereinander: Nicht die oberflächliche Betrachtungsweise obsiegt, sondern die Tiefenstruktur enthält die Wahrheit. John Coltrane, gerade erst von der Heroinsucht genesen, bläst ähnlich sparsam, und Ahmed Abdul-Malik und Shadow Wilson bringen ebenfalls hoch konzentriert und reduziert die Beiträge von Bass und Schlagzeug ein. Neun Titel spielten sie, darunter - jeweils als Begrenzung eines Sets - zwei Versionen von "Epistrophy", wobei die zweite nur unvollständig ist, weil das Tonband zu früh zu Ende ging. In "Evidence", dem kraftvoll groovenden "Nutty" und ein kokett die sonstige Spröde karikierendes "Blue Monk" bieten Coltrane Anlass zu virtuosen Soli. In "Bya-Ya" lässt der blockig agierende Monk seine Finger recht flink über die Tasten laufen und straft alle Lügen, die behaupten, sein kantiges Spiel beruhe auf unzulänglicher Spieltechnik. John Coltrane verdichtet sein Spiel oft zu intensiven Tonkaskaden - eine Vorstufe jener "Sheets Of Sound", wie später seine flirrenden Tontrauben genannt wurden. Gegenpole setzen das spartanische "Crepuscule With Nellie", das verträumte "Sweet & Lovely" und die beiden Versionen von "Epistrophy". Jazzfans können sich glücklich schätzen, dass der Bibliothekar Larry Appelbaum den schlicht mit "Event 11/29/57 carnegie hall jazz concert" gekennzeichneten Bandkarton geöffnet und schon nach den ersten Tönen erkannt hatte, welchen Schatz er enthielt.

Werner Stiefele, 08.10.2005



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