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Industrial Zen

John McLaughlin

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(61 Min.) 1 CD

Die übliche Assoziation zu "Zen" ist meditative Ruhe. Davon kann auf John McLaughlins Album "Industrial Zen" nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Der Gitarrist knüpft mit seiner Band an die Fusion der frühen 1970er Jahre und die damals übliche Psychedelic- und Trance-Atmosphäre an. Diese aus der Industriegesellschaft stammende Form der - zumindest kurzfristigen - Abkehr aus der Welt findet sich unter den acht Titeln als Stilzitat, wird aber auch - besonders deutlich in "Just so Only More so" - durch digitalisierte Drumbeats und sonstige technische Innovationen der letzten 20 Jahren ergänzt. Mit dem Saxofonisten Bill Evans, dem explosiven Schlagzeuger Dennis Chambers, dem in der Fusionband von Allan Holdsworth gereiften Keyboarder Gary Husband, dem Perkussionisten Zakir Hussain und dem Bassisten Matthew Garrison hat er Partner zur Seite, die sowohl exotisches Flair als auch technische Kälte ins Geschehen bringen. Sie lassen in "Jaco" das polyrhythmische Gewimmel und die ausdrucksstarken Basslinien aufleben, die für die großen Besetzungen von Jaco Pastorius typisch waren. In "Wayne's Way" spiegeln sich die verschlungenen Melodieführungen Wayne Shorters, und das permanente Tickern in "To Bop or Not to Be" ist eine Hommage an Michael Brecker, den längst der Fusion abholden Saxofonisten der bahnbrechenden Brecker Brothers. Mit "Dear Dalai Lama" hat es noch eine durch fernöstlichen Gesang und Synthesizer-Gewaber geprägte, an Meditationsrock und McLaughlins exzellente Band "Shakti" erinnernde Huldigung an den geschäftstüchtigen Religionsführer auf dem Album. Ebenfalls in exotische Gefilde führt "Mother Nature", das tickernde Synthesizerklänge und arabisch angehauchte Gesänge über die Hoffnung prägen, mit dem Universum eins zu werden. "New Blues Old Bruise" und "Senor C.S. " sind kraftvolle, vom Blues infizierte Fusion-Nummern. Mit diesen acht Titeln meditiert John McLaughlin mit einem Schuss Altersweisheit über die Entwicklung der Fusion.

Werner Stiefele, 16.06.2006



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