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Richard Strauss

Eine Alpensinfonie in Bildern

Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman, Tobias Melle (Konzeption und Fotografie)

RCA/BMG Red Seal 82876 50663-9
(54 Min., 2/2002) 1 DVD, Audio, inkl. Interview mit T. Melle; Dolby Digital 5.1, DTS, PCM Stereo; Format 16:9, PAL, Region Code: alle

"Ich hab’ einmal so komponieren wollen, wie die Kuh die Milch gibt". So äußerte sich Richard Strauss über seine letzte sinfonische Dichtung aus dem Jahre 1915. Der Naturliebhaber Strauss zeichnet in der "Alpensinfonie" in 22 Stationen eine imaginäre Bergwanderung nach - mit Naturerscheinungen wie Sonnenauf- und untergang, Gewitter und Sturm, Nebel und Wasserfall. Entstanden ist eine der monströsesten musikalischen Naturschilderungen, glänzend instrumentiert für ein über 100-köpfiges Orchester sogar mit zusätzlichen Instrumenten wie Wind-, Donnermaschine und Herdengeläute.
Tobias Melle, Fotograf und Musiker, geht den umgekehrten Weg, wenn er die vom Tonhalle-Orchester unter Zinman hier vorzüglich musizierte Partitur mit Fotos visualisiert. Drei Jahre ist Melle mit Fotoausrüstung durch das Naturschutzgebiet der Berchtesgadener Alpen gezogen (die Strauss'sche Heimat mit der Zugspitze eignete sich wegen den deutlichen Spuren der modernen Zivilisation nicht) und hat mit der Partitur in der Hand akribisch passende Fotomotive zusammengesucht. Es entstand ein, so Melle, "Eyetrack" (als Pendant zum Soundtrack), der nicht nur einen Aufstieg vom Königssee ins Bergmassiv nachzeichnet, sondern vor allem die Faszination, die Sinnesfreude am überwältigenden Naturerlebnis vermittelt.
Melle geht es nicht um eine plumpe Illustration - der Wasserfall in der Totale taucht erst gegen Ende des gleichnamigen Abschnitts auf und Kühe sind nicht sofort beim Einsatz des Herdengeläutes zu sehen. Vielmehr erfasst der Fotograf liebevoll das Feinsinnliche, die Empfindungen eines Wandersmanns, Details und grandiose Ausblicke. Die Bilder wechseln innerhalb weniger Sekunden im Rhythmus der Musik, Änderungen der Klangfarbe bewirken Farbwechsel in den Fotos, brillante Bilder changieren mit monochromen; sogar die Sonnenfinsternis des Jahres 1999 kommt als einer der optischen Höhepunkte vor. Dadurch und durch die Überblendungen entsteht eine Dynamik, die vergessen lässt, dass es sich nur um eine Abfolge von Fotos handelt.
Ein ungewohntes, faszinierendes synästhetisches Erlebnis, das gleichermaßen Begeisterung für die Strauss'sche "Alpensinfonie" und für die Bergwelt weckt.

Peter Overbeck, 22.11.2003



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