„Elektra ist fertig, und der Schluß saftig geworden! Die Hauptrolle muß nun auf jeden Fall von der allerhöchstdramatischsten Sängerin gegeben werden, über die Sie verfügen", schrieb Richard Strauss an Ernst von Schuch, den Dirigenten der Uraufführung. Wäre der Meister mit Daniel Barenboims Produktion zufrieden? „Allerhöchstdramatisch" ist seine Elektra nicht. Deborah Polaski gibt sich mädchenhaft-zickig. Doch was beim Einstieg in den antiken Metzelmythos rund um die Atridensippe noch verblüfft, erweist sich spätestens beim ersten Auftritt Klytämnestras als wohlkalkuliert. Eine Waltraud Meier auf der absoluten Höhe ihrer stimmlichen und gestalterischen Möglichkeiten eröffnet den Generationenkonflikt. Diese Königin ist ziemlich majestätisch böse. Falk Struckmanns Orest nimmt man sofort ab, dass er mehr Tat- als Geistesmensch ist. Aber das größte Kompliment verdient sich vielleicht doch das Orchester. Es setzt Barenboims Konzept mustergültig um, hält die erste Stunde sein Pulver trocken. Als Elektra ihrem Bruder das erste Mal begegnet, wird kurz geschwelgt. Und dann wird wieder gespart — für einen Schluss, der einen selbst ohne Bühne beinahe aus dem Sessel haut.

Stefan Heßbrüggen, 31.03.1996



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