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Richard Strauss

Orchesterlieder

Jane Eaglen, London Symphony Orchestra, Donald Runnicles

Sony 5 099706 172024
(59 Min., 2/1999, 3/1999, 10/1999) 1 CD

So betörend, wie Jane Eaglen in dieser Aufnahme die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss stimmlich bewältigt, wird man sie selten zu hören bekommen. Doch eine wirklich vollkommene Produktion ist es nicht geworden. Denn ebenso selten wird man ein Orchester hören, das so uninspiriert seinen Teil abliefert. Man höre sich die herrlichen Schlusstakte des "Frühlings" an. Der melodische Bogen des Gesangsparts, den Holz und Steicher zu Ende spielen dürfen, steht da in der Starre eines gebeizten Jägerzauns, anstatt mit der atmenden Sehnsucht eines Frühlingstages zu verebben.
Aber Jane Eaglen durchmisst die schwierigen Intervalle am Beginn dieses ersten Liedes so strahlend, schreitet so sieghaft über die fadenscheinige Orchester-Auslegware, dass es eigentlich doch schön ist. Und Janice Graham, Konzertmeisterin des LSO und eine wunderbare Kammermusikerin obendrein, spielt ihr Solo auch sehr innig.
Aber sei es das "Abendrot" oder auch Wagners Wesendonck-Lieder Nr. 3 und Nr. 5, die die Tristan-Welt bereiten - wir betreten mit diesen Kompositionen einen Grenzbereich zu Dämmer und Tod, und da bleibt mir die Eaglen ein wenig zu gefällig, scheint nicht willens, die instrumentale Perfektion der Stimmführung dem Eindringen psychologischer Bebungen preiszugeben. Dort, wo Textausdeutung eher nach Raffinement fragt, wo das Orchester eher kammermusikalisch licht als schwelgerisch agiert, im ersten der frühen Orchesterlieder Alban Bergs (einer verblüffenden Pelléas-Reminiszenz), da kommen alle Interpreten so glücklich zusammen, dass sie doch ihre Augenblicke der Vollkommenheit hat, diese Aufnahme.

Matthias Kornemann, 18.05.2000



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